
Freitag, 18. Juli 2008

Man rät mir, gut aufzupassen. Nirgends anzustoßen, die Wege nicht ohne Führung zu verlassen.
Ich habe eine Schiffsapotheke. Ich habe Lotsen an Bord.

Donnerstag, 17. Juli 2008
Gestern ist Geschichte. Morgen ist ein Rätsel. Heute ist ein Geschenk. [SZ]
Der langsame Rückzug. Die Vorsicht. Das Tasten. Nicht glauben, was nicht ist, was als Fahne getragen im Wind flattert, bereits im Mund die Richtung wechselt. Sätze, wie aus einem Filmscript gestohlen, aus dem Wortschatz einer Stadt. Die schöne Stimme, die sagt: Später.

Montag, 14. Juli 2008
Vor Jahren, ich möchte nicht rückwärts zählen, gab es einen Moment, damals auf einer Hochzeit, die nicht die meine war, aber vielleicht besser hätte sein sollen, als das Glück an Bord eines Schiffes war. Für einen kurzen Moment konnte man es sogar mit geschlossenen Augen sehen.

Wir haben viel gelacht an Bord der Beständigkeit und viel geredet, oft sogar schweigend, manchmal gestritten - weil man jung war, selbst ich, und die Dinge oder man selbst mehr Funken schlagen, wenn sie schwierig scheinen. Aber keine schöneren. Da waren die Hamburger Tage und die Hamburger Nächte und die Widerstände und Stürme und die schönen Entdeckungen. Wir gingen über Flohmärkte, krochen durch stillgelegte Fabriken, sammelten das Skurrile, die Funde von der Straße, weswegen die Menschen uns oft aus schräggestellten Augen betrachteten. Uns seltsam fanden. Weil sie die Schätze nicht erkannten, in dem, was bloß Schrott schien oder banal. Lange Zeit schrieben wir uns Briefe, manchmal täglich, collagiert mit Fotos und Polaroids und Zeichnungen, Funden und Zeitungsschnipseln. Im Laufe der Jahre tauschten wir hunderte. Jeder ein Schatz.

Und weil wir irgendwann Abstand suchten, immer noch jung, uns auseinanderoperierten, das Ende einer gemeinsamen Reise, lange schwiegen, also anders schwiegen, nichts mehr hörten, noch weniger wußten, wog jeder so rare Brief um so schwerer. Zwei Schiffe namens Vorsicht, die nun Flaschenpost finden, seltene Signale, die Flaggen am Horizont.

Die Meere, die sie befährt, sind nun andere. Aber als sie schreibt, sie sei heute ausnahmsweise einmal nicht wunderlich genannt worden, wegen dem, wie sie so ist, wußte ich - wir spielen vielleicht nicht mehr im selben Team. Aber immer noch in derselben Liga.

Haha, mag man denken. Jetzt werde ich schon parodiert: Daniel Heidkamp. Frappierend, bis auf die Mütze. Man könnte sich natürlich auch selbst... ganz wie beim erinnerungstrunkenen und unwiderstehlich mitreißenden Fotoprojekt Youngme - Nowme.
Das Eisbärfell ist bestimmt noch groß genug.

Sonntag, 13. Juli 2008



Der geschätzte Kollege vom Artblog machte bereits darauf aufmerksam: Die Galerie Helium Cowboy feiert ihr Jubiläum und präsentiert die große Schau zum Fünften im Hamburger Bieberhaus. Der Andrang war so auffällig, daß man denken konnte, eine neue Tanzdiele ("Verein" oder so sagen die jungen Leute) lade zur Eröffnung, freie Getränke und Nackttanz inklusive. Wie ein summender Bienenstock warteten die Menschen draußen geduldig auf die Kunst, während drinnen die Kunst auf... na ja, jeder hatte seinen Platz.



Ich mag diesen Geruch der Nacht, die gebannte Erwartung, die wie Elektrizität in der Luft liegt, die wispernden Stimmen, das Klirren einzelner Flaschen, die auf dem Gehsteig zerschellen, das Gelächter, das sich darüber erhebt. Es ist gut, endlich dort wieder zurück zu sein, gleich einem Insekt, das voller Neugier ins schillernde Licht fliegt, in einer Pfütze, einer Halsbeuge ertrinkt.
(Five Years Helium Cowboy Art Space. Bieberhaus, Hamburg. 12.7. bis 15.8.2008)

Samstag, 12. Juli 2008


Milde Abendluft und das Künstlerkollektiv Spring lockten zur kunstsozialen Ereignisversammlung ins Hinterconti - heute mal als reines Männerteam. Freund G. und ich schlüpfen manchmal ungezwungen, weil vom Fach, in die Rollen von Starsky & Hutch, sind überhaupt, man ahnt das ja, privat eher so Owen Wilsons, Hochzeits Vernissagen-Crasher also, egal, das Bier war gut, die Laune auch (vereinzelt wurde sogar gelacht).



Die Kunst ebenso, bezaubernde Illustrationen nämlich unter dem Leitthema "Alter Ego" von Christina Ackermann, Larissa Bertonasco, Katrin Bethge, Paz Boira, Almuth Ertl, Katharina Gschwendtner, Natalie Huth, Claire Lenkova, Jan-Frederik Bandel, Carolin Löbbert, Ulli Lust, Nina Pagalies, Maria Luisa Witte, Stephanie Wunderlich, Barbara Yelin. Dazu Musik und wärmende Feuer, und wenn ich seufzte, wurde ich gefoppt und auf die schönen Frauen aufmerksam gemacht, die auf solchen Vernissagen bekanntlich gleichsam einem Bilderrahmen entstiegen zu sein scheinen. Selbst im Gedränge kann man dann die schönen Menschen sehen, die vor den schönen Bildern stehen, die man selbst nicht... na ja, you get the picture.
Kunst eben. Heute abend geht es weiter, Finissage ist morgen, wieder mit Musik, Getränken, bezaubernden Menschen und ganz viel Zucker für das Auge.
(Spring # 5: Alter Ego. Hinterconti, Hamburg. Bis 13.7.2008.)

Freitag, 11. Juli 2008

In so einem Blog steht ja nicht alles drin, auch wenn es manchmal so den Anschein hat. Wie wenig ihr wißt, möchte man rufen. Funde, Zeitungsausschnitte, Fotos, ab und an ein Wort - das Leben als Themenkladde, die eigene Schnipselhaftigkeit, sich selbst als Ausriß mit zackigem Rand betrachtet. Jeder Tag ein Post-it, und erst am Ende wird zusammengeklebt, ergibt das Mosaik ein Bild oder auch keines. Was eben nur der Schreibtisch weiß, die Riefen im Holz.

Donnerstag, 10. Juli 2008
Don't be afraid to take the past head on.
(Tracey Emin. Strangeland. 2005.)
