Mittwoch, 13. Juli 2011


Kunst, die von Zedern hängt



Beim diesjährigen Akademierundgang an der HfbK war ich möglicherweise noch ein wenig aufnahmeretardiert, Spätfolgen der Samstagnacht, zertanzte Schuhe im Kopf. Vielleicht war es aber auch wirklich eher ein wenig runtergetont, ein wenig unauffällig, ein wenig gefällig, den Atem jedenfalls, den Atem hielt ich nicht an. Bei der Jahresausstellung sind natürlich alle Klassen bunt gemischt, erste Semester und solche Studenten, die kurz vor dem Abschluß stehen. Das sieht man manchmal, nicht immer den Werken an. Jugendzimmerzeichnungen hängen einträchtig neben skurrilen Installationen, manchen sieht man noch diese tradierten Fesseln an, den Kunstlehrer vom Leistungskurs an einem Vorortgymnasium, andere haben sich bereits befreit und testen Grenzen. Nur: wirklich explodiert ist dieses Jahr kaum etwas, auch scheint es keine Saison für Pimmelmaler, Aktionsrandalisten oder exaltiert Aufmerksamkeitshungernde zu sein. Es hat schon Spaß gemacht, aber man wünscht sich diese Jugend wilder.



Sieht man einmal vom Explosionsmotor einer kinetischen Studie ab, vorab hier zu sehen. Der Fahrer, ein todesmutiger Raketenmensch mit weißrotem Helm und Rennmontur lag bäuchlings auf einem Zwiebelsack, steuerte über einen Fahrradlenker, vor sich den großen roten Notaus-Knopf, und sprotzte damit durch die engen Gassen des Hinterhofs. Daneben Gemälde, auf denen Daniel Richter auf Boris Hoppek traf, überformatige Tableaus aus Ministeck, ein bißchen Fluxus aus der Weinflasche und die regelmäßig erscheinenden Sammlungs- und Ordnungsexperimente. Wunderkammern und Reliquienkulte: Engelschamhaar aus Metallfäden, und, sehr, sehr groß, ein Teddybär aus stählerner Putzwolle zum Liebhaben für Rostkinder. Man sage nicht, es ging mir nichts zu Herzen.