

Zum Jahreswechsel hat sich Hamburg ein Winterkleid gegönnt. So viel Schnee wie seit Jahren nicht mehr, alles ruhig, nur noch wenige Autos fahren hinter meinem Haus. Der restliche Lärm wird gänzlich vom kalten, weißen Pulver aufgesaugt. Man sollte Schnee sammeln und als Trittschalldämmung in Fußböden verlegen, es gibt kaum etwas besseres. Solche völlig natürlichen Gedanken gingen mir durch den Kopf, als ich im neuen Jahr morgens an der Wasserpumpe im Hof stand und meinen bis auf die Unterhose entblößten Körper mit Schnee einrieb.
Jetzt aber vier lange Treppen höher langsam die karge Weihnachtsdeko zusammenräumen. Dieses Jahr habe ich es erstmals baumlos versucht, auch sonstige Schmückung weitgehend („weitgehendst“) vermieden. Ab und zu vielleicht leise gezischelt, wie eine Adventskerze, die im eigenen Wachs erlischt. Mich dafür an vielen Weihnachtskarten erfreut, versendete Grüße und dann natürlich ganz besonders an dem tollen Adventskalender, den ich dieses Jahr hatte. Für jeden Tag eine Karte mit einer schönen Zeichnung aus der Welt der Mumins, begleitet jeweils von einem Zitat aus den Büchern. Am 24. (Spoiler!) steht dann auf einmal ein großer Baum im Garten, mit vielen schönen Sachen geschmückt. Freue mich schon aufs nächste Mal, denn der Kalender ist, anders als viele menschlichen Beziehungen zum Beispiel, wiederverwendbar.

Jahresende heißt auch Vorbeischauen zur gut besuchten Eröffnung bei Feinkunst Krüger, immer noch wohl Hamburgs wichtigster Galerie fürs Besondere, das jährliche Klassentreffen internationaler Popsurrealisten steht an. Diesmal mit einem Jubiläum: „Don’t Wake Daddy“ zeigte sich in der 20. Ausgabe, kaum eine Beziehung oder Waschmaschine hält so lange, ein Meilenstein also für Kunstbetrachter und Liebhaber. Zu sehen gab es erneut eine illustre Auswahl Künstler und Künstlerinnen, darunter moki, Fred Stonehouse, Ryan Heshka, ATAK, Brad Woodfin, Elmar Lause, Femke Hiemstra, Heiko Müller, der die Ausstellung wie immer auch mitkuratiert hat, Marc Burckhardt, Paul Chatem, Skot Olsen und viele mehr.
Eine Wanderung durchs Traumland: Hier sanfter Schwung, dort knisterndes Aufeinandertreffen, mythische Wesen und schräge Vögel, kurze Verzerrung, humorvolle Verwirrung, gedankliche Vernebelung. Eine Reise für den, der sonst keine macht. Im Untergeschoss zeigte Galerist Ralf Krüger sozusagen als Bonbon zudem eine Einzelausstellung mit Werken von Gregory Hergert.
Jetzt also reinschleichen ins neue Jahr, keinen Lärm machen, nicht schliddern hoffentlich, gestreute Wege suchen. Aber immer weitergehen.