Sensationsfund: Der erste Flug zum Mond?



Wer mich kennt, weiß, daß ich nicht nur rostige Nägel von der Straße sammle (nur die verbogenen), sondern auch immer wieder alte Fotoalben auf Flohmärkten. Unter diesen "Found Fotos" ist so mancher vergnügliche Schatz, ein nostalgischer Ausflug oder Familienfeier mir durchweg fremder Leute oder auch die ein oder andere delikate Unanständigkeit. Selten aber gelang mir ein Fund derart historischen Ausmaßes. Eine Sensation, möchte ich behaupten. Unter allerlei unansehnlicher Schinken zog ich ein Album hervor, dessen Inhalt ich zunächst schwer erfassen konnte (wird ja früh dunkel zur Zeit). Daheim aber wurde mir beim Durchblättern klar, daß hier wohl die Geschichte der Raumfahrt neu geschrieben werden muss.



So viel konnte ich mir bislang zusammenreimen: Es handelt sich offenbar um das Expeditionstagebuch eines mysteriösen Raumfahrtprojekts aus dem Jahre 1887 ("Space 1887"). Zahlreiche Studioaufnahmen und Magnesiumblitz-Schnappschüsse belegen das Unglaubliche: Ein kleines Team von Wissenschaftler:innen hatte offenbar eine Rakete konstruiert und die abenteuerliche Reise zum Erdtrabanten angetreten. Mehr noch, dort scheinen sie nicht nur eine bizarre Welt, sondern auch Lebewesen (im Album tituliert als "Außerviktorianer") getroffen zu haben. Es ist wirklich unglaublich, aber ein weiteres kleines Fundstück liefert noch mehr Hinweise. Offenbar ist aus dem Konvolut der Expedition, zu dem sicher auch Tagebücher, Briefe und andere Aufzeichnungen gehörten, ein kleiner Film entstanden. Nun war der ja zur Zeit der spektakulären Mondreise noch gar nicht erfunden, das auf 8mm gedrehte Material muss also nachträglich zusammengestellt worden sein.


Die viktorianische Mondrakete und ihr Schwesterstück

Mittlerweile habe ich den Film digitalisiert (und dabei mühsam einige Kratzer und Artefakte restauriert), zurückhaltend vertont und im Internet zugänglich gemacht. Er fasst die wichtigsten Sequenzen der Reise, so wie es auch das Album abbildet, gut zusammen und demonstriert eindrücklich, wie weit unsere Vorfahren im 19. Jahrhundert bereits waren.




Das viktorianische Team aus Weltraumforschern mit verschiedenen Raumanzügen


Die ungewöhnlich konstruierte Raumsonde


Eines der altertümlichen Messgeräte für die Reise zum Mond

Wir sehen das kleine Team von Abenteurern (die im Album erähnten Namen sind über eine einfache Netzrecherche alle nicht zu verifizieren), ihre Vorbereitungen, die technische Ausrüstung (allesamt geniale Ingenieursleistungen), ein Foto vom Start und der Landung auf dem Mond. Auch der erste wagemutige Ausflug auf dem nahen Himmelskörper ist dokumentiert. Der Ausstieg aus der Landekapsel, ein Mondfahrzeug und ein Zelt, die Tücken (oder Freuden) der geringen Schwerkraft und die ernsthafte Erkundung der Umgebung.


Der Navigator der Reise auf seinem Mondspaziergang


Eine Forscherin seilt sich auf die Mondoberfläche ab


Die Raumfahrer erleben die verminderte Schwerkraft auf dem Mond

Die Bilder sind auch sprechende Zeugen der Fotografiegeschichte. Die langen Belichtungszeiten führten zu Verwacklungen und Bewegungsunschärfen, dazu kommen die von der Strahlung im Weltenraum verstärkten Aberrationen und Verzerrungen der Objektive. Auch scheint sich die Kollodiumschicht der Glasnegative im All nicht immer gut entwickelt zu haben. Es gibt Flecken und Schlieren, Kratzer und Wellen. Doch vieles ist erstaunlich gut zu erkennen und über die Jahrzehnte erhalten geblieben, seien es technische Abbildungen oder beiläufige Schnappschüsse.


Der überaus eigentümlich konstruierte "Mond Explorer"


Ein viktorianischer Mondspaziergang im romantischen Erdschein

Bestürzend aber die weiteren Ereignisse, so weit sie sich aus dem Dokumentarfilm und dem Album erschließen lassen. Die Begegegnung mit den "Außerviktorianern" auf dem Mond hinterließ die Raumfahrer geschockt und wie in einem Horrorroman gefangen. Nicht ganz klar ist, ob alle Teammitglieder die Erde lebend erreichten, und wenn, in welcher Form.


Ein viktorianischer Mondmensch (damals "Außerviktorianer" genannt)

Dieser Bericht erscheint hier noch exklusiv. Ich werde die ganzen Tatsachen und auch meine weitergehenden Vermutungen später den illustrierten Zeitschriften und Magazinen melden. Und natürlich der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. In der Vorweihnachtszeit allerdings haben die Kollegen sehr viel zu tun (sog. "Sternsingen"). Im neuen Jahr aber werde ich die Sensation verkünden! Ihr habt es hier zuerst gehört.

Wunderkammer | 21:21h, von kid37 | Kondolieren | Link

 
nnier - Dienstag, 13. Dezember 2022, 20:57
Was für ein aufregender Film! Ich muss unbedingt wissen, wie es weitergeht. Wirklich, man bekommt Herzklopfen, fast wie die Besatzung, als ... aber ich möchte nicht spoilern. Uff! Und da sind die weltraumgeschichtlichen Implikationen noch nicht eingerechnet!

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kid37 - Mittwoch, 14. Dezember 2022, 10:47
Wie das so ist mit gefundenen Fragmenten, viele Fragen bleiben offen. Wie im Leben halt. Man hört die ganze Zeit diesen dräuenden Ton und denkt, oha, gleich passiert was, und dann passiert was, aber ganz anders als man gedacht hatte und dann sind Menschen, die gerade noch da waren, weg, und die anderen verstehen einen nicht. Bin gespannt, ob das nur die Helden ihres eigenen Films waren oder sogar wirkliche Entdecker.

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manhartsberg - Dienstag, 13. Dezember 2022, 23:23
Wahnsinn! Zurückhaltend vertont? Mir steht jetzt noch der Schweiß auf der Stirn. Ein mehr als angemessener Ersatz für das abgesagte Charlie Winston - Konzert heute. Ob es zwischen diesem und Sir John wohl eine geheime, die räumliche und zeitliche Entfernung überwindende Verbindung geben könnte?

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kid37 - Mittwoch, 14. Dezember 2022, 10:48
Konzertabsagen, fast so schlimm wie abgebrochene Raketenstarts. Oder fehlende Spulen eines großen Films. Vielleicht war Sir John auch so eine Art früher Ziggy Stardust. Die Forschung entdeckt ja beinahe täglich neue Zusammenhänge.

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frau eff - Mittwoch, 14. Dezember 2022, 14:24
Ich bin echt sprachlos.

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kid37 - Mittwoch, 14. Dezember 2022, 15:23
Da denkt man, alles sei entdeckt und beschrieben, und dann so etwas.

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gaga - Mittwoch, 14. Dezember 2022, 15:09
oh...!

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kid37 - Mittwoch, 14. Dezember 2022, 15:24
Ringe selbst noch um Fassung.

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fidibus - Samstag, 24. Dezember 2022, 10:04
Bin nach wie vor schwer begeistert von Ihrer Recherche und dem Film. - Schöne Feiertage, Meister Kid37!

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kid37 - Samstag, 24. Dezember 2022, 18:47
Vielen Dank und Ihnen auch! Ich bin ja der Meinung, dass man fast immer etwas Interessantes an beinahe jedem Ort findet, bohrt man nur tief und intensiv genug. Und wo man früher von irgendwelchen selbsternannten wissenschafltichen Gesellschaften verlacht worden wäre, kann man im Internet bislang unbekannte und meist unerhörte Wahrheiten ans Licht bringen.

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