Mausetot

Komm nach Haus/
Kleine Maus/
Wir ziehen uns/
Die Sachen aus

(Volksweise)



Durch Fährnisse und Geschehen von Wegen, Wandern und Entdecken abgeschnitten, geriet die bei Jungfrauen jeden Alters beliebte und wie von zuckriger Herzensgüte kandierte, bei Teenagern frenetisch gefeierte, aber bescheiden gebliebene Reihe Mit toten Tieren durch das Jahr lange, allzulange sträflich vernachlässigt. Höchste Zeit also anzuknüpfen an vom Staub befreite Tradition und salbungsvolle Tugend, ehe die Gegenwart zur sterbenden Vergangenheit geworden ist, über die wir in Zukunft nicht mehr reden wollen.

Kaum steigen in Hamburg die Temperaturen, reißen sich bekanntlich die Bewohner die Klamotten vom Leib, schmeißen sich rücklings auf die Wiese, strecken alle Viere von sich und zeigen frühlingslüstern ihr kontaktbegünstigendes Inventar. Als älterer und vor allem sittlich gefestigterer Mensch mag man da den Kopf schütteln, allein, die Klagen verhallen ungehört.

Manche immerhin, so wie diese Kleinmaus (mus musculus miniaturis) greifen schamhaft noch zum Feigenblatte, notdürftig Dekolletée und Dings bedeckend. Deutlich sieht man hier, wie auch Körperhaare wieder sprießen, ungehemmt einer längst vergangen geglaubten Mode nach, wohl, so die starke Vermutung, weil es fürs Rasieren keine App gibt. Ein Ganzkörperhipsterbart, möchte man vermuten. Diese Maus aber gibt in Modedingen keine Auskunft.

In frühlingslauer Luft aber hat der Tod sich angeschlichen, ein herbstliches Blatt über das frühfrivole Ding gebettet. Ein sorgsamer Akt, ein sanftes Geschehen und mirabellensüße Mahnung. Hütet euch, ihr zarten Geschöpfe, mag er sagen. Verkühlt euch nicht in jahresfrühen Nächten, in denen wintrige Finger mit letzter Kraft euch tasten.

Taxidermie | 19:06h, von kid37 | Kondolieren | Link

 
frau eff - Sonntag, 30. März 2014, 21:58
Thank God, he's back! Man musste ja schon fürchten, Sie seinen an den hafenmodernen Optimismus verloren. Oder an Schiffe, die man nicht ausstopfen kann.

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maphisti - Sonntag, 30. März 2014, 23:28
Vielleicht können Sie es ja nicht wissen, aber Ihre zoologische Reihe kann einem schon den Schlaf rauben, ja!
Dazu fallen mir eigentlich nur noch die ganz alten Verse ein:
"Komm, Trost der Welt, (...) die Lüfte alle schlafen, (...) ein Schiffer nur noch, wandermüd, singt übers Meer sein Abendlied (...) . "Die Jahre wie die Wolken gehn (...), das weite Meer schon dunkelt."
(J. v. Eichendorff)
Irgendwie auch jung, oder?!

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kid37 - Montag, 31. März 2014, 00:02
Keine Sorge, ich zeige ja nur schlafende Tiere - oder solche, die gut schauspielern können.

Frau Eff, Schiffe steckt man ja, anders als Tiere, in eine Flasche. Aber dafür fehlt mir derzeit noch die Feinmotorik. Dabei kenne ich die größten Flaschen! Ich werde das Metier aber weiter studieren. Neue Pläne müssen her!

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kreuzbube - Montag, 31. März 2014, 12:28
Benjamin, ich hab nichts anzuziehen
Ich könnte mal schlafende Tiere in Teilen zeigen, Kopf hier, Hinterleib da... Das Frühversterben von Mäusen & Co. hat hier meist eine pfotige Ursache.

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zeilensturm - Montag, 31. März 2014, 14:42
Das erinnert mich
daran, meinerseits auf eine gern übersehene und daher vermutlich auch nie über den ersten Teil hinausgekommene Serie aus eigener Produktion zu verweisen: http://www.zeilensturm.de/?p=3931
Vielleicht könnten wir das Konzept fusionieren: Große Tiere auf dem Müll? Mit Müll und Maus durchs Jahr?

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kreuzbube - Montag, 31. März 2014, 17:10
Hervorragende Idee! Ich werde das aufgreifen. Beginne aber mit einem harmloseren Bilder. Nicht jeder kann Blut sehen.

http://guterbubi.files.wordpress.com/2012/09/tbeute_sm.jpg

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kid37 - Montag, 31. März 2014, 21:36
Ha! Die Maus als Hipsterschnaubart! Hab ich's nicht gesagt? Offenbar eine Fashionistakatze, glasklar. Bereit für den, Achtung, Catwalk.

"Die Landschaft hat einen im Tee" oder auch "Gebeutelte Natur", man könnte sehr hübsche poetische Ansichten für eine eigene kleine Postkartenserie mit Sinnsprüchen herausgeben. Für nach dem Krieg!

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mark793 - Montag, 31. März 2014, 16:00
Tja, aus die Maus. Die braucht ihre Uhren schon mal nicht mehr umstellen.

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kid37 - Montag, 31. März 2014, 21:37
So entspannt, wie die sich da hingefläzt hat, hat die das wohl eh nicht interessiert.

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mark793 - Montag, 31. März 2014, 22:09
post mortem
ist da natürlich schlecht Gedankenlesen, aber für mich liest sich die Körpersprache eher so: "Ah, wie schön, abends länger hell..."

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novesia - Montag, 31. März 2014, 18:20
Sie Fashionblogger.

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kid37 - Montag, 31. März 2014, 21:37
Warten Sie's ab. Das wird noch ein internationaler Trend. Street-Wear. Oder Kolumnen wie "Wie sehen Sie denn aus?"

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marie_sophie - Donnerstag, 3. April 2014, 00:29
Was für ein schönes Requiem. Ewiger Dank und Lobpreis in gut unterrichteten Nagerkreisen sei ihnen gewiss.

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kid37 - Sonntag, 6. April 2014, 19:13
Ich stehe auch als Redner für Nagerbegräbnisse zur Verfügung.

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ana - Donnerstag, 3. April 2014, 20:35
Mausetot ist ja gewissermaßen eine Steigerung von tot.
Aber hier riecht und fliegt und kriecht gerade trotzdem vieles nach Leben.
Ich habe sogar schon die ersten Bienen gesehen.
Und was sagt die Mama?
"Ich hab dich so lieb, mein Mäuschen sag piep."
Wobei wir dann schon bei den Vögeln wären.

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kid37 - Sonntag, 6. April 2014, 19:14
Bienen, Vögel, Blütenpracht. Es geht schon wieder alles los. Heute hier aber schön herbstlich, Regen und ein lauer Wind. Herrlich.

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