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Freitag, 30. Juli 2010


Ein wildes Leben



Gemütlichkeit und leise Melancholie, die Tiere wissen, wie man mit Stress umgeht


So also werden Jagdflieger aufgetankt


Die gefährliche Tüpfelhyäne lauert in der Dämmerung


Das letzte Einhorn wird Publikumsstar



Herr Kid läßt sich das mit den Bienen noch einmal genau erklären

Um den Mitternachtsradau in verqualmten Schuppen zu verarbeiten, lohnt sich ein Besuch in domestizierter Natur, aber nichts Spektakuläres bitte, keine verrückten Hummer oder Kampftentakelwesen. Bei frischer Luft nämlich platzt der Körper energisch wie ein grüner Hulk durch die ihn ummauernde Nikotinkruste vom Vortag. Es gibt allerhand zu sehen, während man sich von Kindern in Bollerwagen über den Haufen fahren lassen kann (bekanntlich aber überstehe ich wie ein grüner Hulk sogar aufprallende Autos ohne größere Nachfrage): graue Tiere, dicke Tiere, gestreifte Tiere, geschuppte Tiere, gerupfte Tiere, hoppelnde Tiere und harrende Tiere, Kopfübertiere und tauchende Tiere, abwesende Tiere und hospitalistische Tiere, freilaufende Tiere und elektrozaungesicherte Tiere, Hirsche-Tiere und unwirsche Tiere, bettelnde Tiere und akrobatische Tiere, Tiere, die gar nicht dazugehören und sogar ein totes Tier.

Wenn man aufpaßt wie ein Luchs, kann man sogar deren Nachwuchs beobachten, wie sie Premium-Content produzieren, Störche stelzen gewichtig am Ufersaum entlang, im Fledermaushaus riecht es wie im Hafenklang um vier Uhr morgens, irgendwo kreischt ein Kind, das an großen gelben Warnschildern vorbei an den Elektrozaun packte und nun nur noch vom Kreischen der Mütter und Großmütter übertönt wird, während sich die Tiere bedeutungsschwer an die Stirne tippen. Ein Bär macht Männchen, soviel hat er gelernt, ich mache ein Foto, soviel habe ich gelernt. Ein Mann erklärt mir, was ich hätte richtig machen müssen, und eine Schneeule versucht mich zu hypnotisieren, wendet dann aber lieber den Kopf um 180 Grad, als ich anfange zurückzustarren. Wölfe liegen desinteressiert und ein wenig faul wie mir scheint in der Sonne, man möchte sich gleich ein wenig dazukuscheln, wüßte man nicht, man stünde mit Flöhen wieder auf. Oder gar nicht.


 


Donnerstag, 29. Juli 2010


Internetausdrucker

Den Vater anrufen, um ihm mitzuteilen, daß man ihm eine Mail geschickt habe, die er sich bitte ausdrucken möge, weil darin die Informationen stehen, die er benötigen wird, wenn er ohne Internet unterwegs sei. Wie man eine neue Art von Demut lernt.

"Hab ich längst gemacht", sagt er.


 


Mittwoch, 28. Juli 2010


Rock & Wrestling 2010 #2



Hafenklang in Bewegung. Wir zeigen die entschärfte Version, nur Geschmuse, keine Brutalitäten.

Radau | von kid37 um 12:00h | 6 mal Zuspruch | Kondolieren | Link

 


Dienstag, 27. Juli 2010


Rock & Wrestling 2010



Im Jahreskreis gibt es so einige Hochämter, Weihnachten gehört für manche dazu, wer einen hat, der feiert vielleicht Geburtstag, Karneval ist für den Rheinländer und alle vier Jahre gibt es die Fußball-WM. Und hart arbeitende Menschen, die nach ehrlichem Ausdruck körperlichen Schaffens sich sehnen? Die haben Rock & Wrestling, die einzig ehrliche, kompromißlos harte (aber immer fair!) und zugleich sexyeste Unterhaltung, die man für knapp zehn Euro erleben kann. Für mich, so doziere ich der Kulturausflugsgruppe im Vorfeld, ist das ein Hammam: Die Luft ist heiß, dabei unglaublich feucht, man schwitzt und schwitzt, wird gedrückt und geschoben und von Rauchwaren* umhüllt - und ein paar Stunden später, wenn man hinausstolpert an die kühle, frische Luft, fühlt man sich wie durchgewalkt und unglaublich entspannt.





Im wie immer ausverkauften Hafenklang war man wie zum Beweis schon weit vor Kampfbeginn durchgeschwitzt und leergeatmet, die Vorband indes kühlte rasch große Teile des Publikums ab. Es gab schockierende Nachrichten: Danger Pilz mußte kampf- aber nicht krampflos aufgeben, kotzte ins Taxi ("Diagnose: Pilsvergiftung", konstatierte Gewährsmann Axel K. trocken) und legte so wohl auch sein Kostüm lahm. Dies nämlich wäre meine Chance gewesen! Unerkannt ins Kampfkostüm und meinen Special Move gezeigt - und zwar vorzugsweise und besonders vehement gegen die böse To-do-Liste! Aber nun war es, wie es war und der einzigartige Baster zeigte, wie man im Ring seinen Mann steht.




D66 rumpelte seine One-Man-Psychobilly-Punk-Show durch die Umbaupause, Nik Neandertal sang den famosen Rock & Wrestling-Ohrwurm und servierte den nächsten Schock: Hamburgs härtestes Nummerngirl Dolly Duschenka, seit Jahren unverzichtbarer, tragender Bestandteil der Veranstaltung, die immer wieder auch kompromißlos ins Kampfgeschehen eingriff, Captain Penis an den Eiern packte und letztes Jahr den Großen Kong besiegte, Dolly Duschenka also, Freunde, hört auf. Ein Schlag von Capitan St. Pauli in die Magengrube hätte nicht heftiger ausfallen können.





Apropos, auch der muskulöse Götterfunke junger Damen erwischte einen rabenschwarzen Tag und verlor gegen Stern Sanchez - nicht ohne vorher noch seinen Schweiß aus dem Ring auch auf mich, jawohl richtig gehört, geschleudert zu haben. Betrachtet mich als gebenedeit. Der Wirrungen kein Ende: Loony Lobster tat sich mit seinem Erzfeind, Dr. Tentacle zusammen, um den König der Hafenarbeiterkämpfe, Popeye, zu besiegen. Nachdem der spontane Nummerngirl-Casting-Wettbewerb nicht richtig befriedigend verlief, möchte ich mich dafür einsetzen, daß Popeyes Olivia den Part übernimmt. Bitte, danke.




Fotos und Video von Axel K.

Rock & Wrestling auf Myspace

Radau | von kid37 um 12:21h | 11 mal Zuspruch | Kondolieren | Link

 


Samstag, 24. Juli 2010


Verloren und trotzdem gewonnen



Jetzt noch ein paar Tage Sauerstoffzelt und Salzleckstein.

Radau | von kid37 um 17:51h | 3 mal Zuspruch | Kondolieren | Link

 


Freitag, 23. Juli 2010


Alles auf Rot/Alles auf Schwarz

Meine amerikanische Freundin pflegte zu sagen, Don't put your eggs all in one basket. Man hört es oft, auch die Mahnung über die Mütter der Porzellankisten, ich wiederum denke, man muß sich immer wieder auch hingeben wollen. Leidenschaftlich bei der Sache sein, intensiv sein, sich hingeben. Alle Türen öffnen, weil man nicht auf geheimer Tauchfahrt ist. Die Trauer, wenn man absäuft, ist doch, wenn man ehrlich ist, nach einem oder zwei, vielleicht drei Jahren überwunden. Man muß es wagen, die Angst abstreifen wie einen verkrusteten Malermantel. Was soll schon passieren, weiß ich doch eines ganz genau: Ich kann immer noch zurück in die Fischfabrik.


 


Mittwoch, 21. Juli 2010


Liebeswahn

Was ich will, was ich will.
Ist ein Erdbeben.

(Bernadette La Hengst, "Weh tun".)

Armor, diese leichtfertige kleine Putte, schießt mit seinen Pfeilen ja ab und an recht planlos durch die Gegend, trifft damit Herzen ähnlich zielsicher wie mit einer gestreuten Ladung Schrot, auf daß man sich verwundert fragt, ob er denn besoffen sei oder blind, das geht doch nie und nimmer, das kann man schon an drei Fingern abzählen oder meinetwegen fünf.

Die Getroffenen streiten natürlich alles ab, tun ganz erstaunt, sind überzeugt vom rosaroten Grundton dieser Welt, lächeln wie blöde, haben als einzige den Durchblick in ihrem Wahn - und in selbigen, so die erste Therapeutenregel, soll man ja bekanntlich nicht reinreden, den muß man erstmal lassen. Ja sicher dat, denkt man, und die Außerirdischen vom Planeten Zeta landen auch irgendwann wieder und holen euch beide ab. Und hoffentlich bald.

Sagen kann man also nichts, man will nicht sein wie diese warzigen Unken, die es "schon immer" gewußt haben, also hinterher, und mit mißgünstigem Ton auch noch das schönste Chaos schlechtreden müssen. Da schweigt man lieber still und denkt sich seinen Teil, nimmt also dieserart herzlichen Anteil und wünscht alles Gute, wie es sich so gehört, überkreuzt aber vorsichtshalber Mittel- und Zeigefinger hinter dem Rücken, weil man ja doch eine Meinung hat.

Unbelehrbare Romantiker aber zaget nicht, es sei Hoffnung in euren Herzen.

Zur Hochzeitsreise dann bitte in den Caravan of Love.