Dienstag, 9. Dezember 2014


Aber gerne, ihr Sterne

In the past three years, Saturn limited your movements and forced you to concentrate on goals. ... Saturn is known to take away your usual sources of support to see if you can stand on your own two feet independently. ... Saturn teaches that we can do things that we assume we could not possibly do, and in the process we become stronger. Oddly, Saturn also tends to bring health difficulties while touring the sign, and that fit me too. (If you too have recently been plagued with a health concern, that situation will now improve....) [Q]



Nanu, warum liegt denn hier Stroh Staub? So ein Blogstreik bringt natürlich nichts, wenn ihn keiner mitbekommt, stelle ich fest. Beim nächsten Mal also besser mit Transparent und Megafon unten an der Mole. Die Botschaft skandieren: Mein Hafen hat mehr Nebel als dein Hafen. Die Bahn immerhin fährt wieder und brachte mich nach Haus, Baby.

I'm coming home. Der Alltag mittlerweile ist wie ein geschenkter Gaul. Man nimmt ihn so hin, weitgehend stumm, bloß vages Erzählen. Ein paar Diffuspläne, ein paar Experimentalpläne, Ausweichungen und Hinführungen, der Rest ist Winterpause (im Herbst bereits).

Über Undank meditiert und Empörungsreflexe. Menschen, die nur Überschriften lesen und darin ein Aufforderungsklingeln zur Schaumbildung. Was soll ich nachdenken, was Menschen denken, die sich nicht den Mund abwischen? Da legste dich selbst schachmatt, schüttelst den Kopf, schneidest die Rosen mitsamt den Dornen und fühlst mit geschlossenen Augen und ausgestreckten Händen nach den zugigen Stellen am Fenster.

Winterbefestigung. Die Ernte durchzählen, den Blick nach vorn, Jahresendzeitläuten schon im Ohr. Die Bilanz: trockene Tücher bereithalten. Alles drin einwickeln. Die zwei, drei letzten vertrauten Matrosen an Bord enger fassen, den Rest dippte die Planke. Ich selbst, mit blau geschlagenem Auge (gern würde ich sagen: Ihr müßtet den anderen sehen! - aber es war nur metallene Straßenmöblierung) die Öffentlichkeit meiden. Man erschreckt ja die Kinder!

Nur die Backfachverkäuferinnen nicht. Die halten mir Kuchen reserviert. Mensch, sag doch was, wir haben da noch ein Stück für dich. Der letzte Trost der Großstadt. Heult doch selber.


 


Dienstag, 4. November 2014


Dias de los Muertos



Ich mußte mal für eine Woche die Füße still- und hochlegen. Ein- und Aussortieren, Zielbestimmungsforschung in den Kellergewölben (Sachen, die ich bewahre, Sachen für Basare, Sachen für den Tauschtisch, Sachen wie "kenn ich nich"), auch den metaphorisch gemeinten. Stapel von links nach rechts schieben und letztlich den Abfluß der Spüle reparieren.

Dann Geburtstag: Zum Frühstück Pakete öffnen, interessante Bücher bekommen, darunter: Rocko Schamoni, Fünf Löcher im Himmel, Marcel Mathiot, Die erotischen Abenteuer des Monsieur Mathiot: Bekenntnisse eines späten Liebenden, Eduard Betz, Philosophie des Fahrrads (urspr. 1900). Außer Konkurrenz zum Nicht-Geburtstag noch zwei Bücher über Wien, nämlich Wittgensteins Wien und Der Tschocherl Report: Die unbekannten Wohnzimmer Wiens, worüber ich mich sehr gefreut habe.



Dann mal das Blog abgeschlossen, mit einer Twitterin in einem eisigen Café gesessen und mich anschließend erkältungsbereit gefühlt. Zum Abschluß des Tages im Dunkel der Wohnung mit dem Kopf vor einen Mikrofonständer geknallt - die Folge war eine zickzackförmige Narbe auf der Stirne wie bei einem verwaisten, englischen Zauberlehrling und ein Dröhnen, das wie ein lästiger Ohrwurm ("Chici Chi - Chici Cha") meinen Kopf nicht mehr verlassen wollte. So lag ich dann im Bett, eine Wärmflasche im Rücken gegen die Cafékälte und einen Eisbeutel auf dem Kopf. Das ging doch früher alles mal anders mit dem Geburtstagsfeiern! Als man von heißen Bräuten (darf man "Bräute" sagen? Was ist denn jetzt politisch korrekt? "Ischen"? "Miezen?" Katzen gehen doch immer oder?) gewärmt und Eisbeutel nur gegen den Kater (Katzen gehen immer, sage ich doch!) auf dem Kopf balanciert wurden.

So war das und nicht anders und dann die weiteren altersgeplagten Tage. Regelrecht ausgeknockt nämlich lag ich da, in regelmäßigen Abständen den Totmannschalter drückend, während sich Kopfschmerzen unter meine Schädeldecke gruben und weitere Entspannungsaktivitäten verhinderten. Wie zerebral überwachte Reparaturen im Haushalt oder das Abdichten der Sturmfenster hier an meiner Geriatriestation meinem Wasserschloß.

Pünktlich zum Tag der Toten war ich wieder auf den Beinen, gibt doch wenig so viel Pep wie ein Zuckertotenschädel. Im Museum für Völkerkunde wird jährlich das mexikanische Totenfest gefeiert, da gibt es was zu Essen, zu Staunen und bunte Reliquien zu erwerben. Wie einen Frida-Kahlo-Schrein beispielsweise oder kleine Skelett-Mariachi-Bands. Kinderschminken nicht vergessen, was mir ermöglichte, das Museum ebenso unerkannt wie angemessen als bleicher Schmerzensschädel zu verlassen.


 


Sonntag, 26. Oktober 2014


Neulich in Billstedt



Dieser kleine, sehr rauhe Dokumentarfilm im Ken-Loach-Stil zeigt das Leben im tristen Hamburger Osten, wie es halt ist. Gleichzeitig ist die zart-melancholische Geschichte inhaltlich dennoch völlig unrealistisch. Als Blogger habe ich das natürlich verifiziert und kann sagen: Gisela Bündchen reagiert nicht auf handgeschriebene Briefe. Und ich habe mit Siebenundreißig-Tage-Bart, im Anzug und gut parfümiert tagelang hinter der bloß angelehnten Türe gewartet. Story of my Life.

Gisela Bündchen aber ging, mein Wollen und Verlangen und Briefeschreiben ignorierend, alleine weiter Surfen auf einem Billstedter Badesee. Sie stieg nicht in die U2 oder benutzte den Schienenersatzverkehr am Wochenende. Man muß dieser Wahrheit ins Gesicht sehen. Es bleibt die ebenfalls gut parfümierte Gewißheit: Es sind die Niederlagen, die einen stärker machen.


 


Montag, 29. September 2014


2014: Das Jahr, in dem ich die 52 wieder schaffte



So. Wir dürfen den alten Schlager der englischen Beatkapelle The Kinks anstimmen. "Victoooria!" nämlich hallte es am Sonntag lange über endlose Radwege im wilden und - wie die Boulevardzeitung dieser Stadt schreibt - "unhippen" Stadtgebiet Hamburgs. Das Wetter war friedlich, so geschah es ungeplant, daß ich plötzlich kein Ende mehr fand und meinen persönlichen Mont Ventoux in Angriff nahm. 2012 legte mir diese Strecke so eine hübsche, kleine Leistungszielmarke vor. Eine Marke, die mir ehrlich gesagt, in den letzten beiden Jahren außer Reichweite gerückt schien. Aber, wie lautet die so charmante wie überhebliche unwiderstehliche Predigt: Wer will, der kann auch. Eben, Arschloch, Schatzis. Genau so.

Vorbei also voll auf Lunge pfeifend (aber allegretto) an tiefenentspannten Ziegen, überholt von ein paar Pedelec-Provokateuren (sozusagen das Photoshop des Radfahrens, ein einziges empörendes Fälschungswesen) bis hin zum bekannten Fährhaus, wo lederbezogene Biker ihre Maschinen wie chromblitzende Dominosteine eng an eng stellen. Raum und Zeit für eine kurze Gedenkvesper am Deich, Flußbeschau und Menschenbetrachtung. Dann zurück in die langsam herabsinkende Sonne, an auf Weiden niedergesunkenen Kuhherden vorbei und durch tiefergelegte Mückenschwärme, die sich unter den Bäumen am Radweg sammeln. Mein Hemd sieht aus bald wie ein Insektenrechen, alles voller Straßenverkehrspunkte. Meine Brille aber auch, den Mund halte ich ausnahmsweise geschlossen. Wie ein Walfisch Plankton schlürfend könnte ich mich nahrungsammelnd durch die milde Herbstluft schieben, nicht ganz so pfeilschnell mehr wie zu Beginn, aber mit munterem Tritt.

52 Km also. Auch wenn ich mehr Zeit dazu brauchte als vor zwei Jahren. (Deshalb ist mir unterwegs auch dieser Bart gewachsen, ich muß mich entschuldigen.) Aber umgerechnet auf ein schwerstählernes Hollandrad mit Gepäck und Fahrer sind das sogar viel mehr als auf einem Ultraleichtgeschoß. Sehr viel mehr. Mit der einfachen Formel Pi * Drehmoment geteilt durch Reifengröße multipliziert mit der Wurzel aus Packgewicht plus Windwiderstand (Punkt vor Strich und Klammer zuerst) kommt man da auf ganz andere Werte. Wenn man es denn erstmal in Ruhe durchgerechnet hat. Ich aber pfoff lieber ein Abendlied (nun aber adagio) und malte mir überbordende neue Ziele aus. Niemals klein denken! Das nächste Mal nehme ich ein fesches Görl auf dem Gepäckträger mit. Einfach so! Läßt sich sicher leicht in die Formel mit einbeziehen.

>>> Geräusch des Tages: The Fall, Victoria


 


Sonntag, 21. September 2014


Ich kann klar sehen, jetzt wo der Regen vorüber ist

Da mußte ich doch tatsächlich für gut zwei Wochen die Türe zum Internetbetriebsraum (s. Symbolbild) hinter mir schließen und alles mal sich selbst überlassen. Mit der frisch erworbenen Brille sah ja auf einmal alles so klar und deutlich aus. Scharf. Also schaute ich mir schnell alle Filme der letzten verschwommenen Jahre noch einmal neu an, lernte meine Grünpflanzen von einander unterscheiden, las laut glucksend die Hinweise auf den elektronischen Anzeigetafeln im öffentlichen Nahverkehr und fand die Welt neu und wie frisch gezeichnet vor. Dann klingelte ich nacheinander an den Türen meiner Exfreundinnen und stellte fest, die sind tatsächlich so hübsch, wie ich immer vermutete, kaufte dann, es geht ja kein Ding über die grüne Erde ohne Folgekosten, neue Sachen ein, die ich um meine neue Brille zu drapieren gedenke bis hinunter zu den Schuhen.

Erstmals drängten sich auch Zustände an mein nun scharfzeichnendes Auge. Das Elend der Welt, namentlich meine Fußböden. Da möchte man ja nun auch niemanden drüberkriechen sehen, nicht einmal zum Spaße. Zum Glück erlaubte es mir meine Brille, mich bis in den Westflügel meines Etablissements durchzuschlagen, wo weiland Blaubarts achte Kammer sich befand, nun aber bloß ein Abstellraum mit Kehrgerät. Alles blitzblank nun oder wie die jungen Leute sagen: tippitoppi.

Und gegen Tetanus wurde ich geimpft. War dann wohl auch nötig. Immer weitermachen.


 


Sonntag, 7. September 2014


Durch Laub rumpeln



Das Wetter heute war wirklich ausgezeichnet. Knapp vor "motschig", wie man früher bei uns gesagt hätte. Also ein bißchen feucht, aber weiß Gott nicht zu warm, mit einem schön bedeckten Himmel zudem, was ja Radfahrern und Fotografen zugleich entgegenkommt.

Der Hamburger Stadtkönig möchte ja die Gegend hier aufwerten wie es heißt, also an Investoren offerieren, die Olymiaauffangbecken und ordentlich bepreisten Wohnraum für die jetzt schon neugierig durchs Viertel cruisende SUV-Fraktion aus dem Boden betonieren. Jetzt mal neutral gesprochen, nicht daß hier Untertöne vermutet werden, wie es ab und an den Texten, die hier sprechen, vorgehalten wird.

Ich aber war nicht auf der Suche nach Betongoldabladeflächen, sondern nach Möglichkeiten für einen kleinen Retreat, der mir und meinem Seelenhaushalt sehr schmeicheln würde. Mangels finanzieller Sprungkraft reicht es bekanntlich nicht ganz zu einem Ferienhaus an der Riviera, auch wenn die Gegend um Bandol oder Sanary-sur-Mer ganz angenehm, wenngleich recht fern ist. Auch die Ostsee hat so ihre Tücken, weshalb ich zwischendurch immer mal wieder unerschrocken und alternativ nach einem erweiterten Balkon, also Kleingarten, in der Nachbarschaft schaue.

Fast hätte ich ja mal einen gekauft, standen dort doch schon schlüsselfertig eine in munteren skandinavischen Farben gestrichene Laube, drei verkommene Obstbäume und eine Fläche für die noch anzuschaffen gewesene Liege aus nachhaltig produziertem Teakholz parat. Langes Zögern und Zaudern aber ließ Gartenkonkurrenten mir zuvor kommen. Eine türkische Familie nämlich, die als Demonstration gelungener Integration als allererste Maßnahme Thuja-Gestrüpp zum Sichtschutz quer über das lauschig geschnittene Stück Toskana pflanzte und als nächstes die hübsche Skandinavienlaube in düsteres Eiche-Altdeutsch umbeizte. Eine bedenklich stimmender Kulturtransfer.

Nun bewirtschaftet man solch einen Garten ja auch nur schwerlich allein, da gehören falsche Vorstellungen gleich mal auf den Kompost. Ein Partner mit weiteren fleißigen Händen wäre hilfreich, denn es gilt, einen Spaten zu führen oder Rasenflächen nach Fifa-Regeln zu trimmen. Da wäre es zum Beispiel gut, wenn ich diese Arbeiten von meiner aus nachhaltig produziertem Teakholz gezimmerten Gartenliege beaufsichtigen und mit hilfreichen Gesten eines Zeigestocks auf übersehene Ecken oder asymmetrisch geführte Schnittkanten hinweisen könnte. Zu Zweit geht alles schneller und wenn man mir im Anschluss zum Dank für meine Hilfe ein fein abgestimmtes Sonnenuntergangsgetränk mit einem lustigen Papierschirmchen drin an meine aus nachhaltig produziertem Teakholz gewirkten Liege reichen würde, sagte ich nicht Nein, sondern munter: "Haben wir's nicht schön?"

So weit der Plan in groben Zügen. Derweil schaue ich also regelmäßig auf struppige Brachen, plane Standorte für Grill und Kofferradio, Sonnenschirme und Bikinizonen. Spanne im Geiste Federballnetze, plaziere Tore fürs Rasencroquet und reserviere Flächen fürs Tomaten- und Orchideenhaus und eine Ecke für die Honigbienen. Der innere Spaten steht sozusagen bereit. Jetzt aber erstmal Abendbrot.


 


Freitag, 29. August 2014


Einsicht, Aussicht, Durchsicht

Wenn ich morgens geweckt werde, finde ich mich ja wie in diesem Video von Ane Brun wie ein verwirrter alter Mann leicht verwirrt in der Welt wieder, kaum den eigenen Augen oder ihrer kleinbuchstabenverpixelten Sehkraft trauend.



Mein Weg heute führte mich daher für die weitere eigene Frank-Walter-Steinmeierisierung endlich zum Optiker meines Vertrauens, denn nach 15 Jahren Kid37-Brille (so stellten wir mit einem Blick auf die wohl letzte handbeschriebene Kundenkarteikarte im Wirtschaftswesen fest) ist es an der Zeit, neue Zeichen ins Gesicht zu setzen. Ich probierte also einige Ausrufezeichen und auch einige Fragezeichen aus, liebäugelte kurz, nur des Experiments halber, sogar mit einem Semikolon; das sieht bei mir merkwürdig aus. Da der Designer meiner alten Brille, ein Franzose mit vielen "i", nach Italien transferiert wurde, griff ich schließlich zum Weltmeistermodell aus hiesiger Produktion (oder jedenfalls Gestaltung) und erwarte, daß sie mich nun bis ins Finale trägt.

Oder ich sie. So rum ist es, glaube ich, richtig. Zurück in die heimischen Stallungen gekehrt, habe ich - nachdem ich das Kobe-Rind massiert und die Champagnerflaschen gedreht hatte - zur Pause ein wenig gedankenverloren auf der Straße an meinem Fahrrad gelehnt (Symbolfoto), als es (das Rad, nicht das Rind) mit metallischem Gelärme zu Boden kippte. Zwei freundliche Passantinnen eilten hinzu, die eine begab sich sogar daran, mein Rad wieder aufzurichten, "das schöne Rad, das schöne Rad!" rufend. So viel Hilfsbereitschaft und ästhetisches Bewußtsein liegt in diesem Viertel! Leider ist nun der Lenker etwas zerschrappt, das Rad folglich nicht mehr ganz so schön, aber dafür - wenn man scharf hinschaut, was ich demnächst wieder tun kann - unterscheidbar geworden. Nichts hält ewiglich, notierte ich gleich in meinen Bauernspruchkalender, der mir dereinst viel Geld und Anerkennung bringen wird, wenn ich beruflich durchgewalkt und ausgewrungen meinen Platz in der Geschichte suchen werde.

Man muß eben zur Einsicht kommen! Genauer hinschauen, die Brille mal besser als mit einem T-Shirt putzen. Denn die Wahrheit ist doch die: So wie haushaltsübliche Zollstöcke und Lineale im Kleinbereich bis ca. 30 Zentimeter grobe Ungenauigkeiten aufweisen und oft zuviel anzeigen, so aufgespreizt ist die Dichotomie zwischen Fremd- und Selbstwahrnehmung, gerade auch im Internet. Nehmen wir zum guten Schluß folgende beispielhafte Beispiele, repräsentativ zusammengetragen:

- wie ich mich sehe: *

- wie ihr mich seht: *

- wie ihr euch seht: *

- wie ich euch sehe: *

Denkt also immer daran, was in meinem Bauernspruchkalender steht: Man sieht nur mit der Brille gut.


 


Sonntag, 17. August 2014


Go Ost

Auch wenn ihr euch gerade in Mirabellen und ungeschnittenen Gräsern wälzt: Nun, auf der Schwelle zum Herbst, ist es Zeit, auch einmal an später zu denken. Bislang sah mein Abend ja in etwa so aus (geplant!): A Dream within a Dream. Entspannt und lebensbejahend, aber vielleicht ein wenig dunkel.

Es geht wohl auch bunter, einen gewissen finanziell gebetteten Hintergrund vorausgesetzt. Dennoch sicher auch eine Anregung für Jedermann, vor allem für Frauen, die ein Leben jenseits von "pflegeleichten Kurzhaarfrisuren" suchen und stattdessen lieber exzentrische Hüte auf dem Kopf tragen wollen. Was man braucht? Einen Mann, der sein Geld mit Mode und Immobilieninvestitionen gemacht hat Ein Pendel, eine Karte, Hauspersonal und: Keine sauren Böden!

Beatrix Ost stammt ursprünglich aus Bayern, lebt mit ihrem findigen Ehemann Ludwig Kuttner in New York (das ist eine Stadt in den USA) und auf einem kleinen Anwesen in Charlotteville, wo die beiden offenbar altersgemäßen, exzentrischen Spaß haben. Sie, mittlerweile um die 70, ist Model, Malerin, Bildhauerin, Designerin und Schriftstellerin - was man halt so macht als Szeneikone. Ihr größtes Kunstwerk aber dürfte sie selber sein. Blaue Haare! Keine Jogginganzüge! Das ist doch schon mal ein Schritt.

>>> via Nowness


 


Samstag, 16. August 2014


Endless Summer. (Haha)

Ein gewisser Fox Mulder, Spezialagent einer größeren US-amerikanischen Regierungsbehörde, hätte sich nicht verbissener und akribischer auf diesen mysteriösen Fall stürzen können. In meine mit opthalmologischen Untersuchungszangen offengehaltene Augen werden nämlich seit Jahren Filme wie nachfolgender projiziert:

Versprechen von Sommer nennt sich das von den staatlich gelenkten Mainstreammedien unterstützte Umerziehungsprogramm. Kaum aber stürze ich mich mit meinem Board (nur ein Symbol) unter dem Arm auf die Straße, mich den leicht angemessen bekleideten Menschen dort anschließen wollend, setzt ein sturzartiger Regen ein aus dieser Wolke, die mich seit meinem 17. Lebensjahr begleitet.

Herbst. Sag ich ja. Machen wir uns nichts vor. Er ist irgendwo da draußen.

>>> via Nowness.


 


Montag, 11. August 2014


Montag, so Mondtag



Montag. Und Mondtag. Also Vollmondtag. Man bleibt tatsächlich besser im Bett. Nicht aber ich, ich will ja was tun. Tätig sollst du sein, o Mensch. Rege und der Gesellschaft ein Wohlgefallen. Ich also nach geflissentlicher Vorbereitung los. Zuerst aber Taschenkontrolle. Dabei gefunden: eine Rückmeldekarte ans Wasserwerk mit dem selbst abgelesenen Zählerstand. Vom Februar, immerhin aber diesen Jahres. Werfe ich gleich mal ein, damit die Dinge im Fluß bleiben.

Die U-Bahn ist ausgefallen, die nächste auch. Das Display verspricht die Ankunft der nächsten Bahn für zehn nach. Es ist zwanzig nach. Zum Glück folgt ein Kurzzug, die angewachsene erwartungsfrohe Nahverkehrsteilnehmerschar aufzunehmen. Der Kurzzug ist brechend voll. Ich warte auf den nächsten. Weil ein langer Zug angekündigt wird, plaziere ich mich strategisch am Bahnsteig. Es folgt ein Kurzzug, ich bin trotzig und rühre mich nicht von der Stelle. Der Kurzzug ist leer. Ich grüße still ins Nichts hinter den Scheiben. Ich warte auf den Langzug. Der hat Verspätung. Und ist so mittelvoll. Geht doch.

Im Baumarkt denke ich, frag doch mal nach einer Kundentoilette. Die kann man doch auch mal anschauen. "Entschuldigung, haben Sie hier eine Kundentoilette?" - "Ja." Der Mann ist Norddeutscher, ich lege mich fest. "Und, was meinen Sie. Werde ich die auch finden?" - "Das kann gut sein. Gehen Sie..." und er beschreibt mir den Weg. Dazu, so stelle ich erstaunt fest, muß man das Gebäude verlassen. Beim Rausgehen habe ich den Einkaufskorb bei mir. Zum Glück noch nicht gefüllt. Ein echter Mitarbeiter, also einen solchen, den man im Baumarkt nur selten ergattert, eilt mir hinterher. Wohin des Weges, auch ein Korb habe seinen Preis, ach so, Kollege, Kundentoilette, verstehe, lassen Sie den besser hier... und ich so, natürlich, 'Scusi, dumm von mir, Sie haben völlig recht, Gedanken, Gedanken, immer bin ich in Gedanken. Und dann aber auf der Kundentoilette. Ohne Korb.

Dann wieder rein, Korb holen nicht vergessen. (Schon der zweite also, den ich mir heute einhandele, denke ich. Aber das folgt mit dem älter werden. Achtet mal drauf! Sonst könnt ihr auch einen kaufen, 2,95 Euro beim Baumarkt.) Dann Liste abarbeiten. Dichtungsring (versteckt, aber gefunden), Sanitärartikel (Himmel, das meinen die nicht ernst, kaufe ich nicht), Silikon, Fugendings, eine Rohrmanschette, was man so braucht. Farbe, einen Tontopf, einen Untersetzer für den Tontopf aus Ton. Und bestimmt was vergessen. Vor Schock. Gesehen nämlich: Glasbausteine kehren zurück! Bunt, beleuchtet oder auch einfach nur so. Glasbausteine. Wahnsinn.

Kein Auto, auch so eine Sache. Also schleppen, ich hätte ja auch das Rad... An der Fußgängerampel fast angefahren worden, eigene Schuld. Oder Vollmond. Die Straße folgt dort einer Kurve, die Ampel auch. Also folgt niemand der Straße durch die Kurve bis zur Ampel, sondern geht der guten Stadtviertelsitte nach fünf Meter vorher über die Straße. Das Auto hat Rot, ich nicht Recht, aber bitte, der Fahrer beharrt auf seine letzten fünf Meter bis zur Ampel, hält also nicht an, wie es sonst aber wirklich jeder hier tut. Zumal, wenn ein ehemals aus dem Internet bekannter Blogger mit einem Eimer Farbe, einem Dichtungsring, Silikon, einer Rohrmanschette, Fugendings, einem Tontopf, einem Untersetzer aus Ton für den Tontopf und was man so braucht über die Straße geht. Ich hebe die Hand, entschuldige mich, 'Scusi, Gedanken, Gedanken, ich war in Gedanken.

Schnell noch zur Packstation. Munter die Nummer, dann ein zweites Mal die Nummer, dann zur Sicherheit kontrolliert (wie leicht ist man in Gedanken!) und vorsichtig ein drittes Mal eingetippt... Tut der Maschine aber so was von leid, drei Mal falsch, nicht weitertippen, schick uns doch 'ne Mail, du Kunde, ist Montag und Vollmond, du meinst doch nicht im ernst, daß das jetzt mit deiner Nummer klappt. Höhö, und schönen Tag noch mit deinem Eimer Farbe hier auf dem Parkplatz und dem Tontopf und dem Untersetzer aus Ton für den Tontopf und dem Dichtungsring und der Rohrmanschette und dem Silikon und dem Fugendings und was man so braucht.

Na ja, immerhin. Daheim ist es wirklich am schönsten. Mich erwarten meine Blumen, die nun in eine erfreulich herbstliche Haltung versunken sind. Wie in Gedanken! Wie lange man Blumen doch stehen lassen muß, damit es endlich hübsch morbidlich aussieht. Beim Blumenhändler sucht man nach solchen ja meistens vergeblich. Schwer zu bekommen, fast wie Dinge im Baumarkt. Nie sind sie richtig, immer nur frisch. immer muß man sich entschuldigen, will man welche verschenken. Du, tut mir leid, die hatten keine schönen, mußt du noch zwei Wochen stehen lassen, ich hoffe, die werden noch was. Aber nicht vor Vollmond wegwerfen!