Freitag, 15. Mai 2015


Görls



Ich bin ja immer so langsam. Aber nachdem mir nun seit Jahren hier und da begeistert berichtet wird, habe ich angefangen, einen weiteren popkulturellen Lückentext für mich zu schließen. Girls also, Lena Dunhams erstaunlich fertiges und erstaunlich frühreifes Werk über vier Freundinnen in Brooklyn. (Das ist ein Stadteil in New York, einer Stadt in den USA.) Ich meine, die war so Anfang, Mitte Zwanzig, als sie anfing, hatte ein paar kürzere und einen längeren Film (Tiny Furniture) gemacht, eine kleine Webserie - und dann HBO, Judd Apatow, Weltruhm!

Viel ist über die Serie geschrieben worden, eine Art Sex and the City für Studentinnen sei es, jetzt nicht das Tiefschürfendste im Filmbergbau, aber klug beobachtet, lebensnah, mutig, frontal, mit bemerkenswert normalem, New-Yorker-Körperbild, statt zurechtoperierter Cali-Girls wie sonst in TV-Serien. Und eben witzig. Das Interessante ist: Alles davon ist wahr.
Die Dunham, die neulich noch eine (umstrittene) Biografie nachschob, schreibt, produziert, führt die Regie und spielt die Hauptrolle, bastelt also ein Autorenwerk und scheut dabei keine Entblößung. Übertragen und natürlich buchstäblich. Eine Bloggerin also, nur eben auf dem kleinen Bildschirm.

Schaut man etwas näher hin, sieht man schnell, daß die Dunham auch nicht vom Himmel gefallen ist. Ihre Mutter ist die ziemlich bekannte Fotografin Laurie Simmons, die mit einer Serie "Tiny Furniture" bekannt geworden ist. Eine andere aus dem Quartett, die entwaffnend naiv aufspielende (und liest man Interviews, ist sie wohl im realen Leben nicht überraschend anders) Zosia Mamet, die Tochter von David "Spartan" Mamet - Künstlerkinder also, wo man zu den ein oder anderen Dingen und Lebensstilentscheidungen und natürlich auch Telefonnummern leichter "Hallo" sagt als wenn man aus anderen Häusern stammt. (Keinen Neid, bitte.)

Jemima Kirke hätte mich auch bekirken können, wäre ich ungefähr nicht in dem Alter, ihr Vater sein zu können. Macht ja nichts, man lacht dann befreiter, weil man die Mechanismen und kleinen Knöpfe und Schalter nun so viel besser durchschaut. Also ihre, aber auch die eigenen. In dem divaesken Narzisstenpack kommt Adam Driver, der Dunhams Freund in der Serie spielt, meinem früheren ich schon recht nahe. Ich bin natürlich nicht so kräftig gebaut, aber das wissen wir ja alle.

Super 8 | von kid37 um 21:37h | 8 mal Zuspruch | Kondolieren | Link

 


Montag, 22. Dezember 2014


Himmelsfahrten



Jetzt sind sie wieder alle aufgefahren. Der Udo und die anderen. Himmelslichter, Signalboten am Nachthimmel, vielleicht auch Verlorene. Denn nicht alle sind unterwegs, von einem Heiland zu künden oder von Geschenksendungen in einem Schlittengespann.

Der kurze Film Kosmonauta stellt einen anderen unerklärten Fall nach. Die Signale, die 1962* von italienischen Funkamateuren auf einer Frequenz des sowjetischen Raumfahrtprojekts aufgefangen wurden, scheinen von einer einsamen Katastrophe zu berichten. Die Tragödie der ersten russischen Kosmonautin, die auf dem Rückweg zur Erde technische Probleme erlebte und im All verglühte. Die Wahrheit über diesen Fall ist immer noch irgendwo da draußen, verlorene Signale, verlorene Geschichten, verlorene Menschen.

Man muß das ja alles erzählen, damit es lebendig bleibt. Wenigstens das.

Super 8 | von kid37 um 20:41h | 11 mal Zuspruch | Kondolieren | Link

 


Donnerstag, 7. August 2014


Schwarzweißschön

An mir und meiner Aufmerksamkeit vorbeigemogelt hat sich der nun mal wirklich ganz wunderbare spanische Stummfilm Blancanieves - Ein Märchen von Schwarz und Weiß. Der Kandidat für den Auslandsoscar 2012 ist berückend, tatsächlich schwarzweiß - und stumm. Und hat wohl deshalb den Oscar nicht gewonnen, weil ja kurz zuvor mit The Artist ein total anderer, aber eben auch schwarzweißer Stummfilm ausgezeichnet wurde, der zudem einen kleinen Hund als Star hat. Blancanieves, also eine sehr spanische Version des Grimm'schen Schneewittchens, hat hingegen nur einen Hahn, der - soviel sei verraten - das Ende des Films nicht erleben wird. Und natürlich Stiere.

In wunderbaren Bildern und bezaubernden Dekorationen verlegt Regisseur Pablo Berger (der auch die lustige Heimpornokomödie "Torremolinos 73" gemacht hat) das bekannte Märchen in das Spanien der 20er Jahre. Ein Unfall zwingt den populärsten Matador dieser Zeit in den Rollstuhl, seine Frau stirbt bei der Geburt der Tochter. Die wiederum wächst bei der Großmutter (Angela Molina) auf, kommt aber nach deren Tod ins so herrschaftliche wie düstere Haus der bösen Stiefmutter. Heimlich bringt ihr der schwerkranke Vater das Stierkämpfen bei, doch als Blancanieves zu einer schönen jungen Frau (nun: Macarena García ) heranwächst, arrangiert die herrische Stiefmutter (die sich ansonsten die deviant-lüsterne Zeit mit ihrem devoten Liebhaber vertreibt) ein Mordkomplott. Keine Angst, setzt euch hin, die unschuldige Schöne überlebt und wird von sieben Kleinwüchsigen gerettet, die als "Zwergenstierkämpfer" vor den eigentlichen Kämpfen für burleske Unterhaltung in der Arena sorgen.

In derem skurillen, aus Holz gezimmerten "Mobile Home" zieht sie über die Lande, durch einen Sommer, wie er mir am besten gefällt: schwarzweiß und flipflopfrei. Ich weiß, das kommt jetzt überraschend. Da die Handlung gut tradiert ist, braucht es nicht viele Schrifttafeln, die Tonspur offenbart einen fröhlich vor sich hinplappernden Mix aus Geräuschen, Tönen und Musik - und glücklicherweise kommt der Film ohne die ganz großen bekannten spanischen Schauspielgesichter aus, von Angela Molina mal abgesehen. Daniel Giménez Cacho, der den Vater spielt, erkennt man vielleicht noch, aber der Verzicht auf die Almodóvar-Bande lädt das grimme Stück nicht unnötig mit mitschwingendem Filmkunstballast auf. Die Hauptdarstellerin Macarena García spielte bislang gar nur spanische TV-Serien und Telenovelas. Die Kinderdarstellerin Sofía Oria ist zudem eine echte Entdeckung.

Und ja, einen Prinzen gibt es auch. Einen, den ich gut verstehen konnte. Und dessen Geschichte ein großes, trauriges Blog füllen würde.

Blancanieves - Ein Märchen von Schwarz und Weiß. (Span. 2012). Regie: Pablo Berger.

>>> Trailer zu Blancanieves

Super 8 | von kid37 um 22:22h | 4 mal Zuspruch | Kondolieren | Link

 


Sonntag, 6. April 2014


Neues aus der Anstalt



Die letzten munteren Tage habe ich, schön auf dem Sofa in eine Zwangsjacke eingemummelt, mit der zweiten Staffel von American Horror Story verbracht. Zum einstigen Serienstart in Deutschland hatte sich Dietmar Dath ja euphorisiert in der FAZ geäußert, die Wallungen konnte ich für die erste Staffel allerdings nicht ganz teilen. Diese Ansammlung von Geistern in immer demselben Spukhaus, die sich aber nie zur selben Zeit auf den schlurfenden Schuhen standen, überzeugte nicht so recht, auch wenn das rothaarige Zimmermädchen eine Wucht war. Aber schon der von Dath gelobte Vorspann offenbarte ein Problem: die Serie ist handwerklich sehr gut ausgestattet, aber eben nicht wirklich genial. Mit flickernden Schockbildern (und einer unpassenden Typo) huschte das Intro durch einen mit medizinischen Präparaten im Einmachglas vollgemüllten Keller, "Serienmörder!", "Schockexperimente!" schreiend, dabei aus dem gängigen Repertoire einschlägiger Filme zitierend, aber weit davon entfernt, wirklich originell zu sein. Immerhin wurde aber auch nichts falsch gemacht, von den dünnen Stories abgesehen, und Jessica Lange spielt tatsächlich hübsch böse um ihr Leben.

Die - und etliche andere - ist auch in der zweiten Staffel dabei. Ein Ensemblestück, was ganz hübsch ist, wenn man die Leute mag. Wenn nicht, hat man eins von vielen Problemen dieser Serie entdeckt. Schauplatz ist Briarcliff, eine von der katholischen Kirche geführten psychiatrischen Anstalt in den 60er Jahren. Man stelle sich "Shutter Island" vor und fülle den Laden mit Szenen und Personal - das muntere Kinozitieren geht weiter - aus "Einer flog über das Kuckucksnest", "Der Exorzist" bis hin zu "American Psycho" und "Sucker Punch" - oder Versatzstücken aus einer berühmten US-amerikanischen TV-Mysteryserie aus den 90ern (ich sage nur "Entführungen durch Außerirdische"). Zu den Hauptpersonen gehören sadistische Nonnen, vom Teufel Besessene, freudlose Nymphomaninnen, menschenexperimentierende Nazi-Ärzte, perverse Frauenmörder, Borderlinerinnen und Selbstverletzer, machtgeile Kirchenvertreter und blutgierige Lümmel aus dem Mutantenkabinett. Eine streckenweise befremdliche Kuriositätenshow, weil man unbewußt immer klischeeermunternde Regieanweisungen ans Statistenpersonal mithört und daher all überall Insassen mit Köpfen gegen die Wände schlagen, wimmern und zappeln und religiöse Texte rückwärts sprechen.

Wie es halt so ist! Damals in den 60ern. Elektroschocks und Eispickel-Lobotomie dürfen nicht fehlen, Eis- und Hitzebäder, dazu einiges für Fetischfreunde: Fesselungen und Fixierungen, Doktorspiele und das gut gefüllte und eifrig genutzte Peitschenkabinett von Jessica Lange, die als Sado-Nonne die disziplinarische Oberaufsicht führt. Eine ziemliche Schlitterpartie am voyeuristischen Exploitation-Trash entlang. Dabei, von ein paar Durchhängerfolgen abgesehen, insgesamt tatsächlich recht spannend, auch wenn die zahlreichen Wendungen dieser irren Horrorcollage weniger glaubwürdig als eine durchschnittliche Folge "Akte X" sind. Ein großes Problem: anders als in besagter Mystery-TV-Serie fehlt eine durchgängige Identifikationsfigur. In American Horror Story agieren nur Unsympathen, da ist niemand, auf dessen Wertesystem man bauen könnte (das macht es so menschlich!). Schwierig also, aber atmosphärisch toll und voller Einrichtungsideen für morbideres Wohnen.

Gedreht wurde nämlich zu meiner Überraschung nicht in einer aufgelassenen alten Einrichtung. Die mit Patina und vielfältigen viktorianischen und Art-Déco-Elementen versehenen Räume wurden allesamt im Studio nachgebaut, gekachelt, gefärbt und für einzelne Szenen vollgemüllt,wie die "Extras" enthüllen. Anregungen fand man unter anderem in dem tollen Bildband von Christopher Payne - Asylum: Inside the closed World of State Mental Hospitals. Payne hat über 70, meist seit den 60er-Jahren geschlossene, verfallene Anstalten besucht und (zum Glück ohne HDR-Scheiß!) beeindruckende Bilder mitgebracht. Architektonische Details, berührende Spuren und Hinterlassenschaften von einstigen Insassen (z.B. ein übergroßer Schlüsselschrank, in dem fein säuberlich aufgreiht Zahnbürsten hängen), kühle Interieurs zum Teil mit dem erschreckenden Nachhall (einst) üblicher Behandlungspraxis, zum Teil den Shabby Chic heutiger Inneneinrichtungskataloge atmend. Ein sehr unaufgeregtes, großartig fotografiertes Buch.

Wem das übrigens alles zu frivol scheint, dem sei die Doku empfohlen, die morgen im WDR gezeigt wird. Hölle Kinderpsychiatrie spürt dem echen Grauen der Zustände (und ihren bis heute nachwirkenden Folgen) in der Kinderpsychiatrie* in Marsberg im Sauerland nach. Nadja Kerschkewicz, Anne Kynast und Martin Suckow sprachen mit ehemaligen Insassen, die in den 60er Jahren vieles von den oben erwähnten Zuständen - Zwangseinweisungen, Gewalt und Mißbrauch durch Pfleger und Nonnen - am eigenen Leib erdulden mußten.

(Christopher Payne. Asylum: Inside the closed World of State Mental Hospitals. Cambridge, Ma.: MIT-Press, 2009.)

* Spiegel Online zu den Anschuldigungen gegen das nordrhein-westfälische St. Johannes-Stift

Super 8 | von kid37 um 15:48h | 27 mal Zuspruch | Kondolieren | Link

 


Mittwoch, 12. März 2014


Knitterfalten

Lange haben wir nichts mehr gehört von der US-amerikanischen Hausfrauenromanze 50 Shades of X. Nicht, daß ich Beschwerden gehört hätte, aber Trotz und Eigenwille halten mich wie einen festgebissenen Kampfhund beim Thema. Natürlich haben die sich auch Dinge an den Kopf geworfen, von unterschiedlichen Sichtweisen auf die Welt war die Rede, gestritten haben die wie die Kesselflicker. Aber eines geschah nie, also daß Scully zum Beispiel Mulder im Stich gelassen hätte. Oder umgekehrt.

Das mag auch der wahre Grund sein, warum manche entnervt behaupten, wie unrealistisch dies alles sei. Nicht etwa wegen geheimer Regierungsverschwörungen (die ja mittlerweile als wahr akzeptiert sind), frei herumlaufender Monster (man muß nur morgens mit der S-Bahn fahren), geheimer Geheimexperimente, todbringender, genveränderter Bienen oder Abwesenheiten wegen "fremder Männer" von fernen Sternen (alles schon dagewesen, kenn ich).

Die Jahre ohne Mulder zeigen aber, wie verhärtet und kalt und vielleicht ein bißchen auch überheblich sie in The Fall geworden ist.

Über Dana Scully, die gerade runden Geburtstag feierte, muß man aber sagen, daß sie einerseits nicht vor Vorgesetzten buckelt und Außerirdischen gut eins in die Fresse hauen kann, was längst nicht selbstverständlich ist. Andererseits kann sie aber auch nicht alles. Bügeln zum Beispiel. Man muß sich nur mal ihre Garderobe genauer anschauen. Das macht sie wieder sehr menschlich.

Super 8 | von kid37 um 23:23h | 16 mal Zuspruch | Kondolieren | Link

 


Freitag, 14. Februar 2014


Die süßen, traurigen Spiele der Kindheit

Ach, wie romantisch. Zum heutigen Valentinstag (ihr habt sicher eure Mailingliste mit der Massenaussendung schon aktiviert?) möchte ich auf den entzückenden Festivalfilm Skin von Jordana Spiro verweisen. In diesem Kurzfilm gibt es diesen kleinen einsamen Jungen, der bei seiner Familie im Ödland vor der Stadt wohnt. Seine einzigen Spielkameraden sind tote Tiere, Eichhörnchen etwa, denn sein Vater ist der Tierpräparator der Gegend. Da der Junge zart verliebt ist in ein Mädchen an der Schule, gibt er sein unbeholfen Bestes, ihre Trauer über den Tod ihres Hundes mit einem außergewöhnlichen Liebesbeweis zu lindern. Ah! Und auch oh!

>>> Skin (Vimeo)

Kummer schwimmt oben wissen Leser von Irvings Hotel New Hampshire, in dem eine recht ähnliche Szene beschrieben wird. Dabei ist es bloß unschuldige und besonders herzige Liebe. Mir ging es oft ähnlich. Unverstandene, mißtrauisch beäugte Geschenke, schüchterne Gaben. Ach.

Super 8 | von kid37 um 10:10h | 7 mal Zuspruch | Kondolieren | Link

 


Montag, 20. Januar 2014


Dinge zwischen W und Y

Wahrheit, die liegt häufig draußen, auf Parkplätzen bei Nacht oder abends auf fernen Sendern. Also nicht, daß einer noch sagt, ich würde auf Dingen herumreiten und zwar endlos oder immer wieder. Ich kann nichts dafür, empfehle aber doch dem ein oder anderen, sich die nächsten Montage frei zu halten. Ab heute nämlich wiederholt der digitale, frei empfangbare Kultursender Pro7Maxx (liegt genau zwischen 3sat und Arte) paketweise die ersten vier Staffeln dieser US-amerikanischen Agenten-Romcom, die das Fernsehen vor 20 Jahren verändert hat. Und mich auch. Und zwar nachhaltig. Beide jetzt.

Von wegen Ach-so-90er! Wer wissen will, wie es letzten Endes zu Serien wie Breaking Bad kam oder besser noch, was es heißt in einer guten Freundschaft, meinetwegen Liebesbeziehung, den Partner ins Krankenhaus zu fahren, schaut noch mal genau hin. Sonst passiert ja erstmal nichts. Da gehen zwei in ein dunkles, verwinkeltes Haus oder ein geheimes Geheimlabor und am Ende liegt einer im Krankenhaus. (Außerdem kann man studieren, wie sowohl Brillengläser wie auch Mobiltelefone immer kleiner werden. Unheimlich!)

Wie im richtigen Leben eben. Kaum blinzelt man oder stellt das Mobiltelefon aus, schon ist wieder einer weg. Wie die nette Frau M. aus dem Penny bei mir ums Eck. Die nette Frau M. nämlich, eine mit Kirschen und Würfeln und allerlei Zierrat schwertätowierte sehr junge Rock'n'Roll-Frau saß dort immer an der Kasse oder füllte das Flaschenregal oder die Brotbackmaschine und sorgte für Umsatz. Wenn sie so mein Bund Sellerie, die Literpackung Milch und zwei Joghurts über den Scanner zog, dachte ich bei mir manches Mal Komm Baby, klemm die Kasse unterm Arm und steig zu mirin den Wagen. Wir fahren einfach weg.. Laut sagen traute ich mich das aber aus Schüchternheit nicht, denn in ihrem Blick las ich etwas freundlich Mitleidiges, so als wollte sie sagen Ich mag ja Metall, das hat was. Aber ich steig doch nicht in so einen dämlichen Einkaufswagen! Fahr einen dunkel blubbernden V8er vor die Filiale, und wir reden noch einmal über den Plan. All das lag in dem wochenendverhangenen Blick der mit allerlei Zierrat schwertätowierten Frau M. Aber nun ist sie verschwunden, nicht mehr dort in der Filiale, vielleicht in ein Auto gestiegen. Ich gehe mittlerweile zu Sky.

>>> Dokumentation Inside the X-Files

Super 8 | von kid37 um 14:20h | 17 mal Zuspruch | Kondolieren | Link

 


Dienstag, 29. Oktober 2013


Wenn Frauen weinen



Manches bleibt natürlich, wie es ist. So wollte ich (spaßeshalber) nach den kältedruchwehten Tagen zuletzt die Heizung laufen lassen. Aber wie jedes Jahr zu Beginn dieser Periode läuft die nicht richtig. Das kalte Herz dieser Wohnung. Gut, daß ich keine Katze habe, die schaute mich sicher ungnädig an. Oder schlimmer. Dann heißt es, der Mann, der Katzen zum Weinen bringt.

Manchmal nämlich werde ich gefragt, Herr Kid, was ist eigentlich ihr spezielles Kung Fu? Die eine besondere Fertigkeit? Nun, die Antwort ist einfach: Ich kann schöne Frauen zum Weinen bringen.

Letztes Jahr, als ich vorgab unpässlich zu sein, bin ich in Wahrheit ja nach Kanada gereist, um dort einen Traum zu verwirklichen, der mich diffus seit den 90er-Jahren verfolgte. Ich, mittlerweile ein seriöser älterer Herr geworden, traf dort also diese schöne Frau. Um mich aufzuplustern und Eindruck zu schinden, zeigte ich ihr in aller Ruhe mein besonderes Kung Fu. Wir haben nie wieder von einander gehört.

>>>Übrigens, Empire hat zum 20. Jubiläum ein umfangreiches Dossier über die allseits beliebte TV-RomCom (auf die komme ich aber später noch einmal zurück) zusammengestellt.

Super 8 | von kid37 um 20:51h | 7 mal Zuspruch | Kondolieren | Link

 


Sonntag, 27. Oktober 2013


What is left to believe in



Manches klingt zu absurd, um noch in normale Denkmaßstäbe zu passen. Gillian Anderson und David Duchovny lassen sich das Ende von "Akte X" erklären. Denn es hat ja alles auch ein Ende. Da lacht man sich tot, schüttelt den Kopf, alles ab, sieht zu, wo das Team steht, die letzten Verbündeten, der Kratzbaum, an dem man sich beruhigt die Krallen wetzen kann.

Ab dann nur noch Fleckenverwaltung, jedermann ran an die Sauerstoffbleiche, das Glasklar, den Essigreiniger. Das kann doch, so denkt man still, bislang nur ein Witz gewesen sein. Interessant gedacht, aber von sehr weit hergeholt. Die meinen das aber ernst, also die Schienbeintreter, der Stamm Wohlmein, die Hausbewohner am Vielleichtmalspäterplatz. Man muß sich seine Gespenster immer genau aussuchen. Es könnten Freunde sein.

Super 8 | von kid37 um 13:37h | 11 mal Zuspruch | Kondolieren | Link

 


Samstag, 12. Oktober 2013


Schöner Töten

Ich will nicht sagen, ich sei angefressen. Aber enttäuscht, das ein wenig schon. Auch wenn ich kein wirklicher Freund von Serien bin, hatte ich Hannibal lange erwartet, bin letztlich vorgestern ein wenig zufällig hineingestolpert. Na ja. Ich weiß jetzt gar nicht, was genau ich erwartet habe. Mir war es zu glatt. Zu sehr aus dem Baukasten. Jede Szene zeigt in erster Linie ihre Gemachtheit, da ist kein sinnvoller Fluß. Ein mörderisches Rezept, aber zu kalt serviert.

Das Casting, wie es in den USA halt sein muß. Wir brauchen einen Schwarzen in leitender Position, wir dürfen einen Asiaten nicht vergessen, am besten eine Frau, dann haben wir das auch gleich. Das Ermittlerteam beim FBI spiegelt brav die gesellschaftlichen Verhältnisse. Nicht aber die Vorschriften. Der Mann am Schießstand trägt Hörschutz. Die Frau, die direkt neben ihm und der Waffe steht, aber keinen.

Nur ein Beispiel. Medizinische Details, noch so ein Thema. Hanebüchene Erklärung der Ketoazidose. "Er erhöhte die Insulindosis". Ist klar. Mich wundern diese Schludrigkeiten bei Filmen, die ansonsten so über ihre ausgefeilten production values wirken. Der Kannibale im Schöner-Wohnen-Katalog mit Eileen-Gray-Beistelltischchen. Perfekt getönte Wände, ich habe gleich überlegt, meine eigenen noch einmal anzupassen.

Zeugen und Opfer tauchen auf und sind gleich wieder verschwunden ("ist verstorben"), halten den Plot nur auf oder schieben ihn unmotiviert weiter, vielleicht sollte man da aber bei der ersten Folge nicht zu hart urteilen.

Sowieso versuchte der Kollege mir mildernde Umstände unterzujubeln. Nicht jeder der jüngeren Zielgruppe kenne schließlich die Vorbilder, da könne man die alten Pointen ("Ich lade Sie und ihre Frau zum Essen ein") ruhig noch mal bringen. So wie den Einfall mit der "lebenden Leiche", den man schon aus Sieben kennt. Die Idee mit der Pilzkultur hingegen fand ich ganz originell. Ein schönes Bild, wie eine organische Skulptur. Dafür nervte rasch diese hingetupften, angestrengt auf "surreal" getrimmten Bilder von Hirschen, die durch Krankenhausflure wandern, überhaupt diese Super-Empathie als Behauptung. So als hätten wir nicht alle mal einen bösen Gedanken.

Hannibal scheint mir was für Leute, die, sagen wir mal, auch Coldplay gut finden. Rundgefeilte Ecken, Darsteller statt echter Charaktere, gutgekleidete Modemenschen, die tun als kennten sie sich in der Küche aus - und natürlich Klassik zum Essen hören, damit man als Zuschauer weiß: Da ißt ein Kannibale! Hopkins war schon etwas kippelig in seiner leicht affektierten Schauspielkunst, Mikkelsen sieht so gefährlich aus wie ein Männermodel auf den Einstiegseiten der Vogue. Bei The Fall beeindruckte mich, wie das Töten als umständliche, schweißtreibende-langwierige und abstoßende Handwerksarbeit gezeigt wurde. Nicht als eitle "Kunstform" für Menschen, die auch überdesigntes Küchengedöns im Hause haben, weil es sonst nicht mit dem Kochen geht. Lecter, der Manufactum-Killer mit der Klassik-CD-Sammlung von Zweitausendeins.

Ich hoffe, wenn Scully dazustößt, heizt sie ihm ordentlich ein.

Super 8 | von kid37 um 19:50h | 33 mal Zuspruch | Kondolieren | Link