Trauer muss Herr Kummer tragen



"Kummer schwimmt oben", heißt es bei diesem berühmten Schriftsteller, der nach dem Absturz einen feuchten, toten Hund an eine ferne Küste spülen ließ.



Es war ja auch wirklich ein Debakel. "We don't need another Zero!" sang Tina Turner ihre Heldenfanfare aus der Musikbox. Was mehr als einander Trost zu spenden bleibt den Punktevergessenen in dieser bitteren Stunde?

Die Maladen und Beladenen, die Geschlagenen und Gebeugten trafen sich im Hotel Kummer, nippten an schweren Getränken und rochen noch schwereres Parfüm und eitrige Wunden. Hingeplüschte Lebedamen mit traurigen Wimpern, gefälschte Gemälde an der Wand, bandagierte Thekenphilosophen beim Tischgespräch, so rührte sich Löffel um Löffel klebrig gerührte Schwermut zusammen, aus der nicht einmal ein Phoenix seine ölverfransten Flügel hätte heben können. "Ach ja"-Gluckser und "San's mer net gram"-Geschmeichel, eine zarte Ernst-Häckel-Medusa, uns in wehende, wässrige Kleider hüllend.



Geknickt, aber nicht besiegt. Gedemütigt, aber unverdrossen. Denn liegt uns nicht dieses Lied, liegt uns vielleicht ein anderes. So das Mottto des Tages.



Am Ende tauschten wir alle höfliche Visitenkarten und artige Grußbezeugungen. Mensch, sag ich. War doch toll. Und wir trugen wirklich die schönsten Gewänder.

Ausfallschritt | 15:03h, von kid37 | Kondolieren | Link

 
kristof - Dienstag, 2. Juni 2015, 16:06
Ich verstehe mal wieder kein Wort, aber die Fotos mag ich. :)

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kid37 - Dienstag, 2. Juni 2015, 22:01
Sie folgen wohl nicht international übertragenen Schlagerkulturereignissen! (Mit mißverstandenen Schlagerzitaten habe ich eh nur Ärger, macht also nichts.) Vielen Dank aber, nehmen Sie sich bitte virtuell auch so ein Schildchen.

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kristof - Mittwoch, 3. Juni 2015, 00:27
Ich habe wohl schon diesen ESC aus der Ferne (Kiel!) mitbeobachtet, wenn Sie dieses Ereignis meinen. Leider das Finale nur per WLAN bzw. Lufttelefon. Bei Frau Sublatti wurde dann die Datenrate gedrosselt, ich war also abgeschnitten von der kulturellen Grundversorgung.
Sie sind extra nach Wien gereist, um Frau Wurst in Lebensgröße zu bewundern? Sie haben Ihren Kummer ob des unangemessenen Abschneidens von Georgien im Suff ertränkt? Verstehe ich das so richtig?

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kid37 - Mittwoch, 3. Juni 2015, 00:37
Ich hatte das Notköfferchen mit den Sicherheitsnadeln bereit, unserem deutschen Beitrag den Pseudo-Catsuit richtig spack zu tackern. Leider kam ich nicht rechtzeitig, so daß der Fetzn völlig unpassend an ihr rumschlabberte (ein Catsuit! Rumschlabbernd! Nicht spack!). Der Rest sind Null Punkte und Musikgeschichte.

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pame1a - Mittwoch, 3. Juni 2015, 01:25
Meine bereits verstorbene verrückte Oma war ja seinerzeit mit Geschäftspartnern im Kummer abgestiegen, das seither in ihren Augen den Inbegriff eines Luxushotels darstellte. Zumindest erzählt mir das meine Mutter jedesmal, wenn wir daran vorbeigehen. Heute ist es dort wohl nicht mehr so weit her mit der Grandezza.
- Oma war auch eine begeisterte Anhängerin der großen Travestiekünstlerin Mary, und wenn Mary & Gory im deutschen Fernsehen auftraten, saß sie strahlend daheim vor der Glotze. Ob sie mit Conchitas Bart so gut klargekommen wäre, bezweifle ich. Manchmal frage ich mich, ob sie als Glamourgirl im Kummer weniger unglücklich gewesen wäre als so allein draußen am Land. Wahrscheinlich war das alles gar nicht denkbar.

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kid37 - Mittwoch, 3. Juni 2015, 02:00
Das ist wohl etwas runtergerockt mittlerweile. Aber jetzt, am Kopf der Mahü, kehrt vielleicht alte Grandeur zurück. Die verehrte Großmutter hätte das vielleicht ausprobieren sollen. Slow Fox oder Lindy Hop oder einfach nur Canasta spielen und mit galanten älteren Herren possieren. Das wird dann meine Rolle später.

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sid - Mittwoch, 3. Juni 2015, 01:19
Wie immer haben Sie eine schöne Geschichte und tolle Bilder aus der Stadt mitgebracht! Danke dafür.
Die Stadt aus andren (wohlwollenden) Augen, das hat jedes Mal aufs Neue etwas.

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kid37 - Mittwoch, 3. Juni 2015, 01:51
Ich mag die Stadt sehr. Immer noch. Die spricht wenigstens zu mir.

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sid - Mittwoch, 3. Juni 2015, 16:04
Und letztens taten das sogar die Kanaldeckel ; )
Haben Sie auch so einem nahe getreten?

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kid37 - Mittwoch, 3. Juni 2015, 23:31
Ich habe da nur von gehört. (Aber nicht persönlich. Also vom Deckel.)

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gaga - Mittwoch, 3. Juni 2015, 22:31
War das Hotel Kummer denn wirklich und wahrhaftig diesmal die Unterkunft? Das interessiert mich sehr!

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kid37 - Mittwoch, 3. Juni 2015, 23:33
Ihnen kann ich es ja gestehen: Nein. Aber vielleicht sollte ich das nach all den Jahren mal ausprobieren. Ich wohnte zweihundert Meter weiter. Bei der Post!

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gaga - Donnerstag, 4. Juni 2015, 01:15
ah, bei der Post! Da gibt es doch einen Postkasten, habe ich gehört. Für Postkarten! Toll!

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kid37 - Donnerstag, 4. Juni 2015, 13:15
Exakt. So ist das dort verankert. Weltstadt eben.

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gaga - Freitag, 5. Juni 2015, 00:53
- wichtig - wichtig -

Auftraggeber für den Nachbau einer echt österreichischen Postkutsche gesucht!

"(...) Die Postkutschenromantik lebt. Es gibt kaum einen Kutschenfreund, der nicht damit liebäugelt, einmal damit zu fahren oder gar eine selbst zu besitzen. In Kutschensammlungen sieht man sie nur sehr selten. Außer in der Schweiz. Im Lohnfuhrwerk und im Tourismus werden speziell für diesen Zweck nachempfundene gelbe Kutschen eingesetzt. Im technischen Museum in Wien aber steht eine wunderschöne originale österreichische Postkutsche, die ich allzu gerne nachbauen würde. Ich suche daher einen Auftraggeber für dieses Projekt: Nachbau eines Coupé-Landauer der österreichischen Post."

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kid37 - Dienstag, 16. Juni 2015, 13:32
Wie schön wäre das gewesen, morgens vom Klappern der Hufe der Postkutschenpferde geweckt zu werden. Ich hoffe, ein mitlesender (und -fühlender!) Oberregierungsrat kann das in Auftrag geben.

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modeste - Montag, 15. Juni 2015, 01:15
Da mag ich auch mal absteigen. Haben Sie auch Innenaufnahmen?

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kid37 - Dienstag, 16. Juni 2015, 13:29
Innen ist das leider ein wenig totrenoviert. Man hofft auf verblichene Plüschreize, es wirkt aber keimfrei.

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