Oh wie öd sind Land und Herzen



Hamburger sollen bitte nicht weiter über das "drohende Clubsterben" lamentieren. Den Verfall der Live-Kultur, dem Wegfall kleiner Bühnen. Leute, dann müßt ihr aber auch mal hingehen, müßt ihr. So blieb es an mir, sich gestern vielfach bei den Damen und dem Herrn Künstlern zu entschuldigen, die extra aus Frankreich sich mit ihrem kleinen Schiff auf den Weg machten, um vor gestandenen Hanseaten ihre lieblich versponnen Sirenenweisen zu singen.

Kurzzeitig fürchtete ich, daß Konzert von Ödland fände vor nur zwei zahlenden Zuschauern statt, glücklicherweise kamen aber doch noch eine Handvoll weiterer Leute die ich mit Peitschenhieben in den Laden trieb, die einen unvergeßlichen Abend erlebten. Der Rest von euch, Guten Morgen!, kann sich das dann nächstes Jahr auf Kampnagel anschauen, aber nicht mehr im beschaulichen Wohnzimmer der Astra Stube. So blieb Zeit für ausführliche Plauderei mit der Band. Sängerin Alizée spricht hervorragend Deutsch, meine charmante Begleitung überraschte mich mit ihrem ausgezeichneten Französisch, ich tat gewohnt weltklug und so entsponn sich eine muntere Unterhaltung über le dies und la das, nach deren Ende ich mehr wußte als vorher. Auch das habt ihr verpaßt.

Der kammermusikalische Vortrag war entzückend, um Lorenzo Papaces Klavierspiel, das den Laden sozusagen zusammenhielt, wanderten Geigenklänge, diverse Spielzeuginstrumente, eine Schreibmaschine und eine singende Säge - und eben der stoisch-dramatische Gesang von Alizée Bingöllü ("Wir lieben Umlaute"). Einen ungefähren Eindruck gibt es hier. Gestern war es aber noch toller, schließlich war ich dabei.

Anschließend ließ ich mir wie ein nervöser kleiner Junge von der Band meine CD vollmalen. Ich war aber ganz locker dabei.

Hier noch mal alle Tourdaten. Berlin und Wuppertal zum Beispiel stehen noch aus. Macht euch nicht unglücklich, geht lieber alle hin.

Radau | 13:58h, von kid37 | Kondolieren | Link

 
liisa - Mittwoch, 30. Mai 2012, 16:21
Echt? So wenig Interesse in Hamburg an der Band? Ich bin erschüttert! Dabei hab ich doch noch extra in meinem letzten Wochenrückblick auf die tolle Band hingewiesen. Brav, dass Sie gleich ins Konzert gegangen sind! ;o)

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kid37 - Mittwoch, 30. Mai 2012, 17:07
Nix da! ;-)

Ich war konsterniert. Man flüchtete in Entschuldigungen wie "langes, sonniges Wochenende, erster Tag der Woche usw." Pfff.

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liisa - Mittwoch, 30. Mai 2012, 21:57
Also wirklich! erbärmliche Entschuldigungen! Jetzt sind wir schon zu zweit konsterniert. (muss jetzt darüber nachdenken gehen, was Menschen so miteinander verbindet) ;o)

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kid37 - Donnerstag, 31. Mai 2012, 10:54
Hätte ich das gewußt, hätte ich die Band in mein Wohnzimmer einladen können. Aber gut, das sind Geschichten, die kann man dann später den Krankenschwestern während der langen Nachtwachen erzählen.

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liisa - Donnerstag, 31. Mai 2012, 12:54
Nun wollen wir mal hoffen, dass sich die Gelegenheit diese Geschichte Krankenschwestern in langen Nachtwachen zu erzählen nicht zu bald wieder ergibt. Dann lieber hier im Blog und sie im trauten Heim!

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novesia - Donnerstag, 31. Mai 2012, 13:58
Ich bin immer wieder von der Optik hingerissen, wenn es um Ödland geht. Viel mehr als von der Musik (meine Schrammelohren werden wohl nie kultivierter).
Die Lampen, die Klamotten, die Videos! Hach.

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kid37 - Donnerstag, 31. Mai 2012, 14:51
Es ist auch leicht, hingerissen zu sein. Ich zum Beispiel war im Gespräch von den drei Grazien so hingerissen, daß ich völlig vergaß, Lorenzo Papace zum entzückend animierten Video zu befragen, wie es entstanden ist, wer die Modelle gemacht hat usw.

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fabe - Freitag, 1. Juni 2012, 12:01
achso
gestern warn die bei uns. soso.

sollte blogs zeitnah lesen.

feinkost lampe ist auch so ein kleiner laden im hinterhof im keller.

war bestimmt gut.

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kid37 - Freitag, 1. Juni 2012, 14:26
War bestimmt super sogar. Aber ich sage da jetzt nichts zu, ich brauche wenigstens noch ein paar Freunde.

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