Das Leben als Hüpfburg betrachtet

Gestern abend dann wirlich nur leicht angetüdelt mit dem Rad nach Hause gerauscht, vor mir nur mein funzliges Vorderlicht und zerfurchte Radwege, vor mir nur einen plötzlichen Gedankenblitz. Es sind die Erkenntnisse, die einen plagen, manchmal sind es die Erinnerungen, die einen plagen wie Mücken, die sich um freigelegte Beine legen, um die Handgelenke und auf den Unterarm. Schütteln, emporheben, zurückholen auf schwankenden Boden. Hüpfend, schleudernd, in einer Nacht ohne Nacht, wie man dann steht vor einer Ampel, wartend in einem Regen. Und mitten im Wald.

Dein Atem, das Lachen, die Zweige, die knackten unter den Narben, der Stoff deines Kleides zwischen den Fingern. Das muß doch möglich sei, das muß doch wirklich noch möglich sein, sich den Sommer zum Freund machen, eine Flasche füllen mit einer wichtigen Botschaft, sich zusammen mit ihr ins Meer werfen, in den Staub werfen und daraus davonmachen, ein Herz stehlen und sich bestehlen lassen, ein Bild mitnehmen und im Stillen denken, Mensch, Polly Jean hat wirklich schöne Füße.

Homestory | 12:02h, von kid37 | Kondolieren | Link

 
saxanasnotizen.blogspot.com - Mittwoch, 7. Juli 2010, 13:40
Da werf ich mich doch lieber mit einer Botschaftsflasche ins Meer und mache mir den Sommer zum Freund, als durch den Wald zu irren - n a c h t s!

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kid37 - Mittwoch, 7. Juli 2010, 14:41
Man irrt und irrt und irrt, bis man die geheime Stelle findet, wo man unbekümmert sein kann. (Und die Sonne, ach. Wie sie alle Geheimnisse und Wunder aus den Schatten brennt.)

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derflash - Mittwoch, 7. Juli 2010, 16:02
Herrje, ohne Licht kein Schatten. Weiss man doch.

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lorilo - Mittwoch, 7. Juli 2010, 14:41
"Das muß doch möglich sei, das muß doch wirklich noch möglich sein ...".
Ja.
(Ein guter, durch Nichtsetzen guter Konjunktiv an dieser Stelle.)

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kid37 - Mittwoch, 7. Juli 2010, 15:36
Ach, und meine schludrige Orthografie auch wieder. Oben hieß es ursprünglich auch "eine Falsche befüllen", was ich fast erst stehenlassen wollte, denn auch so etwas kommt im Leben vor.

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derflash - Mittwoch, 7. Juli 2010, 16:04
Die Falsche zu befüllen kann aber auch passieren. (und prompt schrieb ich erst Flasche! Freud! HA! denn lach ich doch aus!).

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lorilo - Mittwoch, 7. Juli 2010, 16:51
"eine Falsche befüllen"

Auch das muß doch möglich sei. (Ich hielt das ja für einen Ausrutscher Ausflug in's Schwäbische, das mir wohl noch so geläufig ist, dass ich das glatt wegsteckte.)
Ja. Solang man es noch merkt, und nicht durch zuviel Flaschen die Falsche für das/die Richtige usw.

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kid37 - Donnerstag, 8. Juli 2010, 13:02
Es gibt ja richtige Flaschen unter den Falschen, was Adorno vielleicht noch mal zum Grüben gebracht hätte.

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