Sonntag, 13. Mai 2012
waren wir klar die bessere Mannschaft."
(Philipp Lahm, FC Bayern München)
Heja BVB! Was für ein Saisonende! Früher gingen Pokalendspiele meist so langweilig 1:0 aus, die Mannschaften tasteten sich lange ab, keiner wagte etwas, weil ein Fehler leicht das Ende bedeuten konnte. Jetzt also sieben Tore in einem schnellen, kombinationsreich geführten Spiel, in dem beide Mannschaften 90 Minuten lang nach vorne gingen. Gut, streng genommen tat das vor allem der BVB, der auch die kurze schwankende Phase in der ersten Halbzeit in Lauerstellung überstand, einen Torwartwechsel inklusive.
Beeindruckt war ich, daß der BVB nicht nur als Mannschaft mit Hurra-Fußball überzeugte, daß dort nicht nur junge, übermütige Hunde Dauerpressing machten, sondern daß die Spieler auch technisch alle verblüffend stark waren, vor allem Gündogan mit seiner Raffinesse und Übersicht bei den Pässen. Taktisch spielten die Dortmunder sehr diszipliniert, nicht aber unbedingt überraschend. Das Verschieben der Stationen, die Veränderung der Laufwege waren sehr hübsch zu beobachten, A geht nach vorne, B zieht nach hinten links oder rechts, Ball kommt per Hacke zurück, B zieht nach innen, paßt auf A oder C, der mitgelaufen ist. Man würde meinen, die Bayern hätten sich nach vier Niederlagen in Folge darauf eingestellt. Aber von gelgentlichen starken Einzelleistungen abgesehen, waren die ja völlig von der Rolle.
Wo waren die Nationalspieler? Schweinsteiger zum Beispiel, war der überhaupt aufgestellt? Lahm? Kroos? Eigentlich darf man nicht hoffen, daß Müller mit zur EM fährt, ich vermute, der hat den frühen Erfolg bei der WM nicht verkraftet, als er zuvor quasi noch Kreisklassenspieler war, der eine Blitzkarriere bei den Bayern hingelegt hatte. Neuer? Warum wird der eigentlich so oft getunnelt?
5:2 also, so wirklich spannend war das nicht, aber sehr unterhaltsam anzuschauen. Schön dann und unverzichtbar, die Spielerinterviews, meist ja so etwas wie dritte Halbzeit. Darin das Zitat von Philipp Lahm, der offenbar ein anderes Spiel gesehen hat. Ausverkauftes Stadion endlich mal in Berlin, 80.000 Fans aus Dortmund. Da die Westfalen keinen Karneval kennen, müssen sie solche Gelegenheiten zur schwarzgelben Verkleidungs- und Umtrunksfeier nutzen. Und was die Siegesfeier angeht, muß man Berlin eines lassen. Schöne Goldelsen haben sie ja.
Der Rest ein Rauschen: Susi weint, die Mannschaft grinst, der Trainer pöhlt. Hamburg feiert Hafengeburtstag. Durch den Nebel grüßen Feuerwerk und Schiffssirenen.

Samstag, 31. März 2012
Der Samstagabend naht, Zeit für die Unversehrteren unter uns, die Tanzschühchen unterm Bett hervorzukramen, den Staub herunterzupusten und ein paar Dehnübungen für eine lange Discotheken Clubnacht zu machen. Aber, werden sich die etwas Eingerosteten fragen, wie ging das eigentlich noch mal, dieses düstere Gothic-Tanzen?
Wir hatten das ja schon mal hier besprochen (Merke: man sollte öfter in die Archive schauen). Betrüblicherweise ist die dort in den Kommentaren erwähnte Instruktionsseite derzeit nicht erreichbar. Zum Glück aber gibt es nun dieses Lehrvideo, das einige der wichtigsten Stilarten des Gothic-Tanzens leicht anschaulich und nachvollziehbar erklärt. Leider fehlt der berühmte "eine Glühbirne einschrauben"-Stil, aber man kann nicht alles haben.
via Coilhouse

Donnerstag, 1. März 2012

Achtung, Achtung. Aus der Hals-Maul-Opfas-Klinik sind verschnupfte Menschen entflohen. Sachdienliche Hinweise bitte an die Rechtschreibverfolgungsbehörden. Der leitende HMO-Arzt empfiehlt präventiv weiterhin Schal und Mütze.

Freitag, 17. Februar 2012
... am Grab des Elektrolahundes
und der Nachrichtensprecher
trägt ein ehrliches Gesicht.
Die Tragödie und ihre Wiederkehr als Farce. Die letzten Koordinaten des Ernsthaften liegen verborgen und tief in der eigenen Knochenhaut. Tage zurückerinnern, als die Erde noch stillstand, Atem halten, die Höhe der Fahnen auf ihren Masten kontrollieren. Heute im verfratzten Grand Guignol, burlesken Kasperletheater nur noch die Kermit-Show ("Applaus! Applaus! Applaus!"). Das Unerhörte vom Umzugswagen eines Karnevals geworfen, ein schunkelndes Land auf Anfang, ein einstürzender Neubau (die tanzenden Türme!).
Bereitstehen, wenn et Trömmelche jeht.

Freitag, 29. Juli 2011
Irgendwie ja auch skurril, wenn sich Stefan Niggemeier auf die "Recherchen" von BILD beruft, um die "Methoden" von RTL zu beschreiben. (Q, derzeit nur für Abonnenten)
Ich mag so was. Irgendwie.
Neulich habe ich auf dem Fleetinselfestival eine Vertikalseilartistin gesehen, die sich ganz hochgehangelt hat und zur Musik von "Cabaret" einen beeindruckenden Spagat zeigte. Dieser Eindruck einer paradoxen Schwerelosigkeit.

Mittwoch, 6. Juli 2011

Die Stadt ist durchgewaschen und hängt sich zum Trocknen aus. Die US-Amerikanerinnen spielen derweil in einer Art weißem, transparenten Kittelhemd, durch das verschiedenfarbige Büstenhalter zu sehen sind. Schwesternhelferinnen gleich, die flott über glanzpolierte Krankenhausflure hetzen, rennen sie fahrig und leicht verschwitzt die vorgegebenen Laufwege rauf und wieder runter, während die Schwedinnen, ebenso entkräftet, nur zwei Gedanken hegen: den an den Schlußpfiff und einen weiteren an die komplizierte Choreographie ihres auf dem Rasen gemeinsam aufgeführten Abschlußtanzes, ein seit Generationen wie siebente Siegel an die Jungfrauen des Dorfes nur flüsternd weitergereichtes geheimes Ritual, das ursprünglich den Jagdtod stattlicher Elche feierte, nun aber das Entkommen vor den Blutabnahmekanülen und Katheterschläuchen der nordamerikanischen Krankenschwestern.

Dienstag, 31. Mai 2011
Peter Richter gratuliert dem Berliner Hauptbahnhof kritisch zum fünften Geburtstag und weist zurecht auf eine Vielzahl von Mißständen hin. Ich lese und nicke, während ich möglicherweise mit dem Flugzeug haarscharf an nämlichen Gebäude vorbeifliege. Dann aber schreibt Richter: "Wie Schiffbrüchige über den Sand sich herbeischleppende Fußgänger. Zusammen mit den orientierungslos Umherirrenden aus der Bahn machen sie den Ort zu einem einzigen täglichen Jammertal." Einige Zeilen vorher bereits verweist er auf die Ähnlichkeit der Treppen und Fluchten mit den von Piranesi dargestellten Gefängniswelten. "Das ist die Wahrheit", schreibt Richter ganz ohne unangebrachte Scham, versteigt sich aber gleich darauf zu der Behauptung: "Und warum muß ich der Erste sein, der sie aufschreibt?"
Bitte, liebe Leute von der FAS, die ihr Bücher schreibt mit Titeln wie "Hier spricht Berlin" und das "ich" in euren Texten Spazieren führt. Solche Kritik wurde nun wirklich schon zur Zeit der Eröffnung durch einen vielstimmigen Nabucco-Chor aus Bahnreisenden, Architekturkritikern und Blogs laut. Ich schrieb damals über ein Purgatorium für Bahnfahrer, über ein undurchsichtliches Treppen- und Gängelabyrinth.
Erster soll ein Mann sich nur mit Vorsicht nennen.
Das ist mal die Wahrheit. Bitte. Danke.

Samstag, 14. Mai 2011
Daß der Eurovisionswettbewerb des Hochleistungsschlagersingens ohne Japan auskommt, liegt natürlich nicht nur an den geographischen Verhältnissen, sondern auch schlicht am Neid. Denn was das fröhliches Maunzen junger gutaufgelegter Sängerinnen angeht, so steckte die jüngst so gebeutelte Nation locker alle in den Sack.
Die meisten können sicher nicht so gut Japanisch wie ich, deshalb übersetze ich mal kurz den Refrain dieses munteren Liedes:
Hey, alter Sack/
glotz uns nicht so an/
Du könntest unser Vater sein/
wärst du nicht schon im Altersheim.
Hey, alter Sack/
glotz uns nicht so an/
Die Strümpfe tragen wir zur Show/
und nicht wie Du zum Stützen.
So im wesentlichen (wer es nicht glaubt, frage Isa, die kann das). Eine alte Blogger-Unart indes treibt sicher viele wieder dazu, das Lied gleich wieder auf sich zu beziehen, dabei sind wie immer eigentlich nur die anderen gemeint. Ich jedenfalls werde heute abend mit einer Delegation des Fördervereins Lena e.V. toitoitoi ganz seriös die Daumen drücken, wenn es um die Krone des Kulturpreisträgers 2011 geht.
(Anm.: die Anwendung der maskulinen Form schließt die feminine mit ein.)

Freitag, 29. April 2011
(Royale Aktionsgruppe God Save The Queen.)

Donnerstag, 28. April 2011

(Ich habe eigentlich überhaupt keine Zeit und ganz viel zu tun, weshalb ich als allererstes, sozusagen zum Warmwerden und Fingergelenke beweglich machen, so ein Mad Men-Bildchen erstellen mußte, auch wenn das jetzt wieder Zeit gekostet hat, die ich eigentlich nicht habe. Das Gemälde heißt: "Warte, ich wollte doch noch unser Lied spielen!" und stammt aus meiner frühen, von Roy Lichtenstein und vielen Niederlagen geprägten Zeit. Herr Prieditis kann das besser.)
via Mad Men Yourself
